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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-07-01 · Heft 7 (1.7.1894) · p. Seite 166

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
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„Es ist wirklich wahr — sagte die Mutter, das Bild mit Küssen bedeckend — es ist das Bild unseres lieben Kindes. Aber was trägt er nur ans dein Kopf. Es sieht doch wie eiir Schornstein ans." „Es ist ein Cylinderhut" — belehrte sie Chaskel. „Ach so — ein Hut ist es, wie ihn die „Teitschen" auf ihren geschinadten') Köpfen tragen — doch wehe mir, wo ist nur sein Bart geblieben?" „Das ist ganz einfach: Wenn Jemand nach Amerika kommt, reißt man ihm drüben den Bart ans," — scherzte Chaskel. „Du spottest schon wieder, Dil Posche Israel"), Du Apikores") Du, — aber ich bin zum Scherzen gar nicht aufgelegt. Ich kann mir mir eins von Beiden denken, entweder ist es unser Bornch und er hat sich dort den Bart abnehmen lassen, oder es ist überhaupt nicht das Bild unseres Kindes. Ist es aber ja sein Bild, so soll er was erlebender wird fürchterliche Makkes^) von mir bekommen, daß ihm Horen und Sehen vergehen werden, — und dann fahre ich nicht." „Ich kann Dir nur zustimme», — lachte Chaskel — gieb ihm Makkes, daß ihm Hören und Sehen vergehen soll und — fahre nicht." „Gerechter Gott! — schrie Gitele, die das Lacheii ihres Mannes nicht beachtet zu haben schien — das ist eine „Chuzpe""'). Schickt er uns da sein Pazeff) ohne Bart und PeieSH mit einem Schornstein auf dem Kopf und verlangt, daß seine fromme Mutter zu ihm kommen soll. Nein das ist keine Handlungsweise eines ehrlichen jüdischen Kindes, das thut nur ein Mamser?)" „Weiß ich? —versetzte Chaskel trocken — vielleicht hast Du recht." „Gewiß, gewiß habe ich recht — fuhr Gitele polternd und lärmend fort — zu einem solchen Mamser fahre ich nicht." — „Dann fahre ich ohne Dich" — drohte Chaskel. „Was!" schrie rinn Gitele mit noch lauterer Stimme, „ohne mich willst Du fahren? Was! Als eine Agune'h willst Du mich zurücklassen. Was? Du Posche Jsroel, Du Potyphar, Du <$oi10)!| Ofjtte mich möchtest Du reisen, um „drüben" eine andere jüngere Frau zn heirathen! Nein, alter Sünder, daraus wird nichts. Du Gehinom-Kandidat! Dort, wo das ewige Feuer dich erwartet, kannst Du eine andere Frau heirathen, nicht aber dieseits. Solange noch das Herz in meiner Brust schlägt, solange ich noch atme, wirst Du keine andere Frau mit Deinen sündigen Augen auch nur ansehen. Hörst Du Posche Israel! Sb Du willst oder nicht mußt Du bis hundert Jahr' alle Qualen und Leiden des Lebens mit mir znsammen tragen. Krank sollst Du sein, Du alter Sünder, aber bis hundert Jahr' immer mit mir, mit mir zusaminen, hörst Du?" ') aetausten. -) Sündiger Israelit. 3) Freidenker. 4; Schläge. s> Frechheit. Gestalt. 7,i Ringellocken. ®/ Uneheliches Kind. Eheverlossene. w> Heide.

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