Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-07-01 · Heft 7 (1.7.1894) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 162 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969961-2969969--4212-2977313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

162 Erst wenn dieser letzte Schritt getha» ist, wenn unseren Frauen die Möglichkeit gewährt wird, vollen Anteil an unserer religiösen Wirksamkeit zu nehmen, dann erst dürfen wir hoffen, jene verderbliche Gleichgiltigkeit zu beseitigen, über die man überall so gerechte Klage führt. Sie werden dem von den Schlacken vergangener Jahrhunderte gereinigten Judentum sein Feuer und seine Innigkeit wicdergeben, welche alle zu edlen Opfern begeistern, nicht nur mit ihrem Vermögen, sondern auch durch persönliche Leistungen. Von unseren prächtigen Tempeln aus werden sie wieder echten religiösen Sinn in den Schoß der Familien hineintragen, sie werden bewirken, daß das Judentum in seinem wahreil Lichte vor der Welt erscheint; durch ihre Vermittlung wird cs wieder vermögen, das Gotteswort weithin, zu verbreiten durch Heranbildung eines Geschlechts, das mit der alten Treue und Begeisterung ansrufen wird: „Alles, was Gott gesprochen, wollen wir thun!" Eine Kumoreske vost Albert Katz. „Also! Wie denkst Du darüber? Was meinst Du dazu?" „Wie ich darüber denke und was ich dazu meine, habe ich Dir schon gesagt: Wir fahren." — „Also wirklich! Wir fahren zu unserm Boruchleben?" „Ja; mein Entschluß steht fest. Wie oft noch soll ich Dir seinen Brief vorlesen? Er schreibt, daß er für uns in jeder Hinsicht sorgen wolle, und da wir hier nichts zu verlieren haben, so brauchen wir uns nicht lange zu besinnen — wir fahren." „Leben soll er und gesund sein. Haselu-m jissborech1) soll ihm für sein gutes Herz, für sein treues Befolgen des fünften Gebotes, viele „gebenschte" Jahre schenken. Siehst Du, Chaskel, mein Fasten und mein Beten, daß Gott unserm Kinde ein edles, gutes Herz verleihen möchte, waren nicht vergeblich; ich bin nun stolz daraus. Doch hbre nur, was die Leute sich erzählen, sie sage», daß man „drüben" gar nicht fromm sei." „Um so fester verharre ich bei meinem Entschluß; denn sind wir erst „drüben", so hast Du ihn immer unter Deiner Aufsicht und kannst dazu beitragen, daß er ein frommer Jude bleibe." Diesen Dialog führte Chaskel mit seiner Frau Gitele. Chaskel, der ungefähr fünfzig Jahre zählte, hatte ein intelligentes Gesicht, kluge Augen, und ein gutmütiges Lächeln umspielte seine vollen noch immer roten Lippen. Sein schäbiger Rock, der früher einmal eine schwarze Farbe , gehabt zu haben scheint, bezeugt zwar, daß er nicht zu den Begüterten der Stadt zu rechnen sei, aber sein Blick, ') Der Gevenedeite.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.