Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 — die jüdischen Frauen in die Fesseln hoffnungslosen Wittwentums schlugen — wo Gelehrte all ihren Scharfsinn, all ihr Wissen anfboten, um zu beweise», daß Ehefrauen nach jüdischem Gesetz nicht verpflichtet sind, ihr Haar abzuschneiden und das Haupt zu bedecken. Seitdem haben die Juden in allen civilisirteu Ländern große Fortschritte gemacht Niemand in Europa, außer den halbwilden Völkern, bei denen noch völlig inittelalterliche Anschanungen herrschen, Niemand in Amerika würde es sich noch einfallen lassen, sich zu der längst veralteteil Ansicht zu bekennen, daß die Frau dem Manne in religiöser Beziehung nachstehe, daß sie nicht die gleichen Rechte und Pflichten habe; Niemand würde daran denken, zu leugnen, daß sie der mächtigste Faktor ist iu der Förderung religiösen Lebens und religiösen Sinnes, Ter Religionsunterricht wird daher mit der gleichen Gründlichkeit Knaben und Mädchen erteilt, und die Thatsache steht fest, daß wir die blühende Lage unserer jüdischen Gemeinden in Amerika, wo Werkthätigkeit und Opferwilligkeit völlig freiem Willen entspringen, in erster Linie der edlen und thatkräftigen Mitwirkung unserer Frauen zu verdanken haben. Auf dem Gebiete der besonders organisirten Wvhlthätigkeit wirken sie mit gleichem Eifer in den kleinsten wie in den größten Gemeinden; ihre Thätigkcit nimmt an Umfang zu mit der Zunahme des Arbeitsfeldes in größeren Bevölkerungscentrcn; sic ist ebenso vortrefflich und gründlich in Paris und London, in Berlin und St. Petersburg wie in New-Iork und Ehieago. In all unsere» freisinnigen jüdischen Gemeinden leisten die Frauen die tvcrtvollsten Dienste als Lehrerinnen an Religionsschulen, und es ist bekannt, daß sie das größte Contingent unter den Besuchern des Gottesdienstes stellen. Nichtsdestoweniger kann nicht geleugnet werden, daß wir erst im Anfänge unserer Aufgabe stehen, daß noch viel zu thun ist, und daß sie nicht früher vollendet ist, als bis völlige Gleichstellung in religiösen Dingen zwischen Männern und Franc» herrscht. Wieviel von dem alten Vorurteil noch lebendig ist, ergibt sich aus dem von Miss Sadie American in dem Reform Advocate vom 31. Juli erstatteten Bericht über den jüdischen Fraueil-Congreß, wo sich folgende merkwürdige Stelle findet: „In den meisten religiösen Congresseu haben Comites von Männern und Frauen zusammengearbeitet, und sie wollen auch einen gemeinsamen Eongreß abhalten; aber da die Rabbiner sich weigerten, den Frauen angemessene Zeit, Ort oder Vertretung einznräumen, so mußten letztere einen besonderen Eongreß abhalten." . Es ist kein vernünftiger Grund vorhanden, warum unsere Frauen nicht Stimme in der Verwaltung unserer Gemeinden haben sollten, warum sie nicht alle Rechte aetiver Mitgliedschaft genießen, warum sie nicht gewählt werden sollten, um mit ihrer Klugheit und ihrer Begeisterung mitznwirken als Vorstände und Mitglieder von Schulbehörden. t