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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-07-01 · Heft 7 (1.7.1894) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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—. r>() - nicht mit Unrecht hat man oft genug in ihm den Enkel der Propheten Israels in dem rücksichtslosen Ansdenker den Schüler des Talmuds gewittert. Gerade die unerbittliche Schroffheit seiner Schlüffe hat manchen abgeschreckt; aber hierin liegt ein negatives Merkmal, worin sein Judentum am Teutlichsten zu Tage tritt. Mau vergleiche nur Spinoza mit seinen dogmatisch befangenen Geistesvettern Malebranche und Leibniz! Was diese von dem jüdischen Deuker in der Hauptsache unterscheidet, ist ihr Kirchenglanbe, der sie im letzten Augenblicke vor dem Abgrund der äußersten Consequenzen stutzig macht, während Spinoza sicheren Schrittes über die Brücke geht. Und positiv genug scheidet ihn von christlichen Denkern die jüdische Gottesidee in ihrer Erhabenheit über alles irdisch Beschränkte. Ewig unbegreiflich bleibt darum das göttliche. Wesen mit seinen unendlichen, unbegrenzten Attributen dem Meuscheugeiste, den eine bloße Erscheinungsform der Substanz, Raum und Zeit beschränken. Mit seiner Persönlichkeit, feinem eigenen Spiegelbilde, kann Menschenaberwitz nur einen. Götzen aufputzen; himmelhoch über des Menschen Denken und Fühlen, in dem stets nur Geist dem Stoffe sich vermählt, steht eines Gottes alles und darum auch das Ewig^ des menschlichen Geistes, umfassende Ueberpersönlichkeit. Dem Menschen ziemt nicht Gotterbildnerei und Togmenzwang, ihm genüge eine „Ethik," ein Handbuch der Lebensführung nach den Gaben, die ihm Gott gegeben, die, ohne knechtische Rücksicht auf Lohn und Strafe, die lautere, selbstlose Liebe zum Höchsten als letztes Ziel menschlichen Strebens predigt. Diese Restitution des alten jüdischen Gottesbegriffes, den Bedürfnissen der Neuzeit angepaßt, das ist die große That unseres Reformators. Mögen auch in Einzelheiten die Meinungen über sein Werk auseinandergehen, mögen seinem Verhalten zu seinen Glaubensbrüdern Schwächen nachgewiesen werden— er war ein ganzer Sohn Judentums! Ja, noch mehr! Es ist nicht nurcher Gottesbegriff nie wahrer und edler gefaßt worden; er hat nicht allein wie keiner gleich ihm die Freiheit, als Selbst- Windung, fest begründet,! die Unsterblichkeit, mit welcher ein Lcnnt „nicht großen Staat machen zu könnenf glaubte, nicht als Postulat, sondern als zu erweisende Wahrheit in den Rahmest des theoretischen Denkens gezogen. Er hat sogar dem Orthodoxen, welche Fügung des Schicksals! — die besten Grundsteine für seinen Ban geliefert. „Wer auch," so lehrt er etwa, „nicht zur vollen Erkenntnis und damit zur Ueberwindung der Affekte gekommen ist, — und wer könnte dies stets von sich behaupten? — dem stieue Mittel ihrer Zügelung, sich eine bestimmte Lebensweise oder bestimmte Grstndsätze zu bilden." All die vielen scheinbar so kleinlichen Vorschriften der Religion! führen auch zu jenem Ideal, das der Philosoph aufstellt, dies ist ihre Bestimmung. All die Unzähligen, die noch mitten im alltäglichen Leben und der Entwicklung stehen, wo der Mensch noch nicht für das leben kann, wozu sondern meist mit dem, wovon er fc&t, allen diesen ist wenig gedient mit

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