Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Vdn*e2 1850, S. 27), Concovdautüo S. BihU Ilebr. N. Mordekai Nathan. < Mi im* Xetib), des Mailnonides More Nebukim, Buxtorf's Dictionariiun Rabhiuirunu eine Pesachhagada mit deutscher und lateinischer Uebersetzung, Caesar (L'Empeurer) Clavis talinudiea, Jäe. Inda Leon Templo, >>efer 'labnit hekal, Josef Del Medigo, Abscondita sapientim, eine rabbinische Mathematik, einen Commentar zum Pentateuch (nach Kaufmann: (iorsonidos), Huldussim, Sefer Seerit Josef, Scfer panim lmdusot, Men. ben. Jsrael's, des Lehrers Spinozas, Esperan^a de l^rael U. a. ltt. Sicherlich ist damit noch nicht Spinozas Büchersammlung, geschweige denn seine Bücherkenntnis erschöpft, eben so wenig wie der Besitz llnd die Lektüre eines der angeführten Bücher mit Gewißheit sich in die Zeit seiner geistigen Entwicklung iiub des Systembaues ansetzen läßt. Ohne Frage wird jedoch durch ein solches Monument jede sonst wissenschaftlich gegründete Annahme zur Thatsache, manche Vermutung wahrscheinlicher. So wie man, trotzdem sich entsprechende Schriften unter seinen Büchern finden, den Kabbalisten, von denen er nicht ohne einen gelinden Schauder spricht, leinen irgendwie maßgebenden Einfluß auf sein Denken einräumen kann, so treten doch andererseits, da alles nach dieser Richtung hinneigt, Maimonides, Gersonides' und vor allem Kreskas um so schärfer hervor, während Giordano Bruno u. a. so gut wie ausgeschlossen werden. Besonders Crescas, dem noch viel zu wellig bekannten ersten Bekämpfer des Aristoteles, bei dem Spinoza den Kardinalpnnkt seiner Lehre, die Anschauung der güttlichell Substanz unter den Attributen des Denkens und der Ausdehnung (Joel, Kreskas 60. 71.) hat finden können, steht unser Philosoph, wenn auch nicht in der Theologie, so doch in der Metaphysik sehr nahe. Streifen wir solch einem Denker des Mittelalters seine kabbalistisch-astrologische Weltanschauung ab und setzen wir dafür die moderne Naturauffassung eines Kepler, Bacon, Cartesius, Huygens ein, deren Hauptwerke nebenbei anch Spinoza besessen hat, so wird es uns begreiflich, wie in einem Geiste der von den väterlichen Duellen kam und mit brennenden Wissensdurste die neuen Errungenschaften der Forschung in sich aufuahm, die schlummernden jüdischen Keime sich zu entsprechend anderer Saat entwickeln mußten. Spinozas Lehre ist so als unmittelbare Fortsetzung der jüdischen Religionsphilosophen zu betrachten, mit der Besonderheit allein, daß wie er vornehmlich von Descartes und Hobbes, feine Vorgänger von Plato, Aristoteles, Plotin, den Arabern, seine Nachfolger von Leibniz-Wolst Kant, Hegel, Schleiermacher ausgehen. Unanfechtbar aber ist für jeden Fall die Thatsache, daß die Grundeichtung seines Denkens und das, wodurch er mit den Vorurteilen des Mittelalters aufgeräumt und der Neuzeit Bahn gebrochen hat, aus seinen frühesten Studien herznleiten ist. Der naturfrische Geist des alten Testamentes, jeder Dogmenclausel ledig, die herrliche Moral des Talmuds kamen in Spinoza wieder zu ihrem vollen Rechte;