Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 i wer wäre das nicht in so mancher Stunde? — die sichere Stütze eines in Jahrtausende alter Tradition fest gewnrzelten Stammes, den erfrischenden Schatten einer dichtverzweigten Lanbkrone. Es war einem Spinoza nicht gegeben in der strenggeregelten Lebensführung, wie sie die Religion uns empfiehlt, einen festen Nahmen unseres Tagest und Lebenswerkcs zu schätzen, sie als traute Gewohnheit lieb und teuer zu halten. Nehmen wir nun hierzu noch persönliche Erfahrungen die Spinoza mit seinen Glaubensbrüdetn gemacht (man denke an die Aushorchung durch Spione, seine Angeber beim Rabbinate'», so werden wir seine Ausfälle gegen das Judentum begreiflich finden: er war nur Mensch und irrte menschlich. Haben wir denn aber vor Allem heute noch ein Recht, Spinoza, weil ihn einst ein Rabbinat aus dem Bolisverbande gestoßen, als Nichtjuden zu betrachten? der schonen jüdischen Ehre zuwider, daß ein Fehltritt dem Israeliten diesen seinen Ehrentitel nicht rauben kann? Heut, wo der Bann, der über ein Jahrhundert lang ans ihm gelastet, längst von -denen, die ihn einst am meisten verketzert, von der christlichen Theologie, einem Herder und Schleiermacher, gebrochen ist? Wieviele unserer größten Geister, an deren Namen sich die großen Thaten unserer Litteratur knüpfen, gingen Israels Ehre verloren, wollte man allein nach diesem knappen Maße inessen! Und versetzen mx nur einmal einen Spinoza in unsere Zeit hinein, wie viele würden sich finden, welche berechtigt wären das „Steiniget!" zu rufen? Zählt doch Israel so manchen seiner Söhne, der nicht gerade ans innerster Ueberzengung der angestammten Religion den Rücken gekehrt hat, noch immer zu denSeimgen! Spinoza dagegen hat sogar ohne Frage, wenn er die Denk- und Glanbenssreihcit auf seine siegreiche Fahne schrieb, eine. T!hat gewagt, deren segensreiche Folgen nicht znm Wenigsten auch seine spätgeboreistn Glaubensbrüder genießen sollten. , Doch eine geistige Große beurteilt man am Sichersten, wenn man die Quellen auswcist, aus denen sie ihr? Nahrung gesogen. Hatte man bisher meist nur mit Hilfe gewagter Combinationen Spinozas Bibliothek construiren können, so haben wir in deren, vor wenigen Jahren aufgefundenem Inventar (van Rooijen, Inventaire des livres forinant Ja hihliotli. de 1». Spin. La Ilave 1886) eine feste geschichtliche Handhabe, die ihn früheren Annahmen sz. B Ritter, Gesch. der christl. Philosophie S. 260: n. a.) zuwider sehr belesen zeigt. Neben einem Cervantes, Petrarea einem Aristoteles, Epietet, Aueustin, Bacon, Hobbes, Deskartes, Clauberg, .der Logik von PvrfiRoyal; einem Calvin, Grotius, La Peyrere; Jnstinian, Machiavelli, Morus und seinen Gegnern Blyenbergh, Mansvelt (und Musaens, nach dem Bericht Colers) finden wir außer anderen Bibelausgaben die Buxtorfsche rabbinische Bibel, desselben« Thesaurus grammat.. Elia Levita s Set er liadikduk, L. AbarbanePs, Filou y Sofia, dialogos de amor; ferner — nach der Reihenfolge des Verzeichnisses —«PH. d'Aquino (Mordekai) l)iet. helna^o-ellaldwo-talm. rahhin. Paris 1626., Flap. JosepHus, uniP Heil. jiid. in griechischer Sprache (neben der Ilias u a. grstch. Büchern; also gegen Orelli, Spinozas Leben und