Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
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gen auszuwcisen. „Auch hierin entspricht er seinem Stamm, dem die eigentliche Wissenschaft im innerstes Herzensgründe sogar zuwider ist." Auch in dieser Hjnsicht hat also der Antisemitismus das Rad der Zeit nm Jahrhunderte zuriickgedreht; ihit dem einzigen Unterschiede, daß, was einst dem gefürchteten Sohne des Verachtesten Kolkes gegolten, nun von glühendem Hasse gegen vielbeneidetc Wettbewerber eingegebeh war. Doch hätte sich zur Not der Jude Spinoza mit dem Urteile trösten können, jvelchcs der deutsche Dühring bald darauf über den doch mindestens ebenso zweifellos deutschen Messing znm/Besten giebt. Allein, welche Wandlung durch Herriß Tührings Fügung! Ter Jude Spinoza entpuppt sich vor unsren Augen: (S. 52)i Zunächst hat er „mit dem Juden, der in ihm steckte, wenigstens gekämpft," und wenn wir auch „an ihm erkennen, daß die Jude», - wie religiös, so auch philosophisch, von sich selbst und ihre» Eigenschaften nicht zu erlösen sind," so hat er, „der für die Inden zu gnt war und es noch ist," doch „das Beste, tvas ihm gelang, erreicht, nicht weil, sondern trotzdem daß er ein Jude war." „seine wirkliche Weisheit hat nicht in dem bestanden, was er dem Judentum gemäß, sondern in dem, was er trotz desselben und gegen die angestammten Neigungen unternahm." Als Prototyp des' heutigen gelehrte» Jndenhetze verdienten Dührings „Hepp-, Hepp"-Rnfc in dieser Ausführlichkeit an den Pranger gestellt zu werden. Leider müssen wir in dieseni Zusammenhänge auch E. v. Hartmanns, in dem man so oft, auf deutscher wie französischer, auf christlicher wie jüdischer Seite den Schüler Spinozas sehen wollte, erwähnen, der in seiner bekannten Schrift zur Jndcnsrage sich über Spinoza in einer Weisem äußerte, die bereits zn Widerlegungen angeregt hat (Allg. Zeitung des Judentums Jahrgang 51. 1890 S. 566 fg. und sonst. >. Den Juden selbst war es mithin überlassen, für Spinozas Jndcntnm einzutreten. II. U ntersuch» ng des Th atbest and es. Welche Wandlung hatte sich in dem Urteile der Glaubensgenossen über Spinoza vollzogen! Sit entspricht genau dem Wechsel des Zeitgeistes. Je weitere Preise der deutsche Hnmanismus, die sicherste Waffe gegen jegliche theokratische Uebergriffc ersaßt, desto selbständiger und günstiger getraut man sich über ihn zu sprechen, den als den ihrigen zu verleugnen Inden sich einst ans kirchenpolitischen Rücksichten genötigt gesehen hatten. Längst hat man sich — auch ans nichtjüdischer Seite (z. B. v. d..Linde, Spinoza 1862, S. IX > — gewohnt, jenen Schritt eben als einen politischen Akt begreiflich z» finden, wie ihn jede Kirchengcmeinschaft ihren orthodoxen Mitglieder» schuldet. Welch herrlichen Stofs zu neuen Anklagen hätten auch die Judenfeinde dhraus ziehen können, wenn das Judentum Ansichten, welche man weit und breit, zumal in »»mittelbarer Nähe, ,dic Gencralstaatenh verurteilte und verfolgte, mit seiner Autorität hätte decken wolle»! Daß Spinoza durch seinen freiwilligen Uebertritt ans dem jüdischen Nircheiiverbande znm Ehristcntnme seinen Glaubensbrüdern ihr Porgchen gegen ihn cigeirtlich erspart hätte, ist längst (schon