Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1894)
- Date
- 1894-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— löO — ^'ittcnuuvblau i, auf SuifiojaSj Öieliäjfigfeit gefeit das Judentum ftiiijitweiffii, mit jeiucn üucllcnfoticfunnjcii ju 2piuo^a 4'e;. „Spin s theol.-pvl. Traktat. 1870" £. s, i:., 40, 40, 42 und ..Do» Chasdai Äreskas 1800." S. (»8 fg.) in denen An gleich juici neue ÖHiiutigcr des Spinozismns, (Sevfouibe? n»d Üreefa?, uacl)bvücftidb ihre :Kcd)ie geltend machten. Mit dieser seiner Arbeit hat er nicht allein znm großen Teile einen Wunsch erfüllt, den einst sein Amtsvorgänger geanssert hatte, er hat damit in gewissem Sinne auch dessen Werk fortgesetzt. Abraham Geiger >var der Erste, welcher dem ne» ansblühenden sog. „wissenschaftlichen" Antisemitismus gegenüber, Spinoza für das Judentum i» Anspruch nahm. Er richtete seine Waffen (Wiss. Ztsch. für jüd. Tbevlvgie heranSg. von ^l. Geiger. V. Bd. Hest 8, 1844 S. 447 fg.) gegen Bruno Bauer, der in seiner „Jndenfrage" iBrannschweig 18 t.!, S. 2) die kühne Bebanptnng ansgestellt hatte: „Spinoza war kein Jude mehr, als er sein System schuf," vielleicht besonders! darum, weil-er in demselben Jahre in den Studie» zu seiner „Geschichte der Politik, Enltnr und Ansklärnng des 18. Jahrhunderts" den großen Einfluß Spinozas ans seine Lieblingshelden schätzen gelernt hatte und, obwohl sonst ein ausgesprochener Gegner des positiven Ehristentnms, den Inden solch großen Anteil an der ftmgestaltnng des ganzen deutschen Geisteslebens nicht einränmen wollte. > Einen ähnlichen polemischen Wert hat nun auch hent die ursprünglich rein wifienichastliche Ervbernngsthät Joels. Natürlich konnte in einerj Zeit, wie der nnirigen, wo oft der Makel „Jude" allein schon hinreicht, um alle Borzüge eines Mannes zn verdunkeln und!zn Nichte zu machen, nnd Sterne zweiten und dritten Grades daraufhin untersucht perden, ob sie nicht an jüdischem Lichte ihren Glanz entzündet, ein Spinoza nicht! ganz heil ansgehen; selbst sein Name wurde in das Philistergekeifer der Tagesmesimngen hereingezerrt. Den Trumpf spielt auch hier der jüngste Apostel de» Judenhasses ans, , der letzthin gelegentlich einer Rüekknlift ans seinem innsengeioeihteii Bnen Netirv mit bekannter »nnmstvßlicher Sicherheit seine neueste Erleuchtung verkündete: der Jude Spinoza habe doch mir den Christen Cartesins bestohlen. Solche Propheten verdiente» freilich iveiler keine Beachtung wen» man in ihnen nicht-' Karrikatnren höherer Geister sehen müßte. Sv hatte E. Dühring in seiner -„kritischen. Geschichte der Philosophie" (Berlin 1800 bes. S. 412 f.) in Spinoza ein fast unübertroffenes Philosvphenideal, in seinen Motiven alle* lobenswerte gesundem Inzwischen scheint er sich aber, wie aber so maiiches andere, was ihm nicht in dey ihn in passte, auch über die Inden erhitzt zn haben; denn in seiner minder „kritischen" „Jndensrage" Karlsruhe, Leipzig 1881. 8. 48 ff.) faim er nicht darüber hinwegkommen, daß die Säknlarseier des Todestages unseres Philosophen 11877) so ganz anders begangen wurde, wie einst die 1<>0 Wiederkehr seine» Geburtstages. Natürlich waren neben der jüdischen Propaganda hauptsächlich seine Freunde, die Universitätsphilosvphirer, die Hauptverbrecher. Er macht seinem philosophischen Äergcr in wehmütigen Kassandrarufen Luft. „Die Borein-