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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-07-01 · Heft 7 (1.7.1894) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 jüdischen Philosophie, Leipzig 1852) nochmals Gelegenheit sich in Spinoza freundlichem Sinne zu äußern. Munk, hatte (I)mt. pliilos. III. p. 366 fg.) das Vorgehen des Amsterdamer Rabbinates gegen Spinoza damit zu rechtfertigen gesucht, daß dieser „die religiösen Einpfindnngen'einer größtenteils aus Opfern der Inquisition bestehenden Gemeinde ohne Schonung behandelt und für Menschen, die wegen ihres Glaubens so viel gelitten hatten, kein Mitgefühl gezeigt habe." Dazu bemerkt nun Beer (in Rote LIY.) „Wenn Spinoza auch von den Inden verleugnet wurde,' so war seine Philosophie doch auf dem Boden des Judentums entstanden." Wie Munk schloß auch, während seit DnsnuZe (lüstoire des Juifs 1707) in den Darstellungen der Geschichte der Inden Spinoza stets ein besonderer Platz eiugeränmt worden war, Jost in seiner „Geschichte der Israeliten" (Berlin 1828, 8. Teil S. 248 fg.) Spinoza als Philosophen von der Behandlung aus, „der als Philosoph in seiner Vollendung den Juden nicht angehöre." Dies Unrecht an Spinoza hat Grätz lGeschichte der Juden Bd. X Leipzig 1868 Z. 168 ff) wieder gut zu machen sich bestrebt. Mit nationalem Stolze hebt er die Thatsache hervor, daß in Spinoza der jüdische Stamm wieder einmal einen tiefen Denker in die Welt gesetzt, welcher den menschlichen Geist von seinen eingewurzelten Verkehrtheiten und Jrrtümern gründlich heilen und ihm eine neue Richtung vorzeichnen sollte." Inzwischen hatte aber auch die allgemeine Spinozafrage, besonders unter den Juden selbst eine neue Wendnng genommen. Als Sohn der Romantik zugleich und des Judentumes hatte Heine nicht nur mit Bewunderung, sondern auch mit Stolz auf die Stammesgemeinschaft mit dem Geistesriesen, über Spinoza gesprochen. Vor allem aber hatte Spinoza einen Schüler in einem anderen deutschjüdischen Dichter gesunden. Berihold Auerbach brachte durch seine Uebersetzung der Werke Spinozas, dessen Verständnis dem Geiste seines Volkes, durch seinen Roman „Spinoza" seinen Charakter unserem Herzen menschlich näher. Ja er schrieb sogar, was vor ihm noch niemand gethan, als Spinozist Romane und gab so ein Beispiel, wie sich unter dem Gesichtswinkel des Spinozismus auch dem Dichter die Welt des menschlichen Fuhlens und Handelns darstellt. Hatte so ein Jude die spinozistische Weltaufsassung auf das praktische Leben übertragen, so suchten nun auch Juden deren Ursprünge in dem Schrifttume ihres Volkes. Wie schon längst von christlichen Gelehrten (Wächter u. a.), ist auch von jüdischer Seite (Abr. Geiger u. a ) die Kabbala zum Vergleiche mit Spinozas Gedanken herangczogcn, doch ein bestimmender Einfluß jener Mystik auf unseren Denker meist bestritten worden. Als weit haltbarer erwiesen sich die Vermutungen einer Entlehnung maimonidischer Ideen. Anklänge an den Spinozismus hat man auch in Jbn Ezra uub Nachmanides gesucht, ebenso später in dem jüdischen Renaissancephilosophen Leo Hebraeus, in Jbn Gebirol und Josef Albo. Einen pnerschütterlichen Grund gab aber diesen Forschungen eigentlich erst, wie erwähnt, Dr. M. Joel, nicht ohne zugleich mit Recht, wie schon vor ihm Js. Kämpf (im „Orient HI.

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