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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-07-01 · Heft 7 (1.7.1894) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 7 (1.7.1894)
Date
1894-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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von I — 14t» - Observanzen utib polizeilichen Maßregeln herabgesnnkene Jndentum konnte nur eine gewisse Klasse von Gewohnheitsmenschen fesseln. Was man sich ange- N'vhnt hat. kann man sich auch wieder abgewöhncn, wenn die Umstände cs erheischen, und das thaten die 'Ueberlänfer, und das thun die Religionslosen, sie 'iehen ihre» altmodischen tjiock ans und ziehen einen neumodischen an. Bon einem Gedanken oder eine», Glchiben kann dabei die Rede nicht sein, das ist ja in der Orthodoxie nicht notwendig. Man thut. wie die Väter gethan und glaubt nach Beliebe». Diese Einleitung heißt cs in der „Deborah" genügt, um folgende Stellen ans einem Leitartikel, in Rabbiner I>r. Rahmer's „Jsr. Wochenschrift ' zu verstehen und zn tvürdigen. wie die freimütige Sprache eines ernsten Mannes es verdient. „Das Vaterland ist in (Gefahr! — Mit diesem Rufe hat zu allen Zeiten die herrschende lasse eines Landes alle mit ihrer Herrschaft Unzufriedenen zum Schweigen gebracht: der gemeinsame Feind zwang Biele sich zn vertragen und es soll vorgekvmmcn sein, das; das Vaterland mit Absicht in Gefahr gebracht lvnrde, nm de» im Innern tvankenden Gehorsam zu erzwingen. Diejenigen aber, welche schtveigend ihre Rechte und Ideale begruben, »>» sich in die Reihen der Kämpfer gegen den Feind zu stellen, haben jedenfalls den größeren Opfermut bewiese». Ein ähnliches Verhältnis herrscht seit einiger Zeit innerhalb des Judentilins. Jeder Versuch, wieder einmal eine», wenn auch mir kleinen Schritt vorwärts zn thun, wird niedergedonnert durch das Geschrei: Das Vaterland ist in Gefahr! Jetzt, wo unsere gemeinsamen Heiligtümer angegriffen werden, muß jeder innere Zwist schweigen. Ujid bereitwillig hat das freisinnige Judentum über Talmud und sogar Sehnlehan-Arnch, sonne ncnerlich auch über die Schechitah den Schild mitgehnlte». Aber es wäre sehr verhängnisvoll, damit den Wahn sich befestigen lassen, als hätte es ans seine Forderungen verzichtet, seine Ideale preisgegeben und erkenne willig an, dgß das Heil allein ansgehe von „Berlin (' Ghpsstraße" und das Wort Gottes von „Mainz." Es ist wahr, das! Vaterland ist in Gefahr, insofern unsere staatsbürgerlichen Rechte und vielleicht auch die Freiheit unserer Religionsübung Vielen im deutsche» Reich ein Dorn im Auge sind, aber es ist verkehrt zn glauben, das; wir im Stande wären, diese Gefahr abznwenden nnd den Feind allein zu besiegen, .viersür haben wir mir eine Hoffnung, die aber für den frommen gläubigen Israeliten eine unerschütterliche trostreiche Geivißheit ist: „Fürchtet euch nicht, bleibet standhaft, so werdet ihr hie Hülfe Gottes schauen, Gott wird für euch streiten, ihr aber schweiget." Das ist ja eben das fortdauernde Wunder der jüdischen Geschichte, daß allemal, weh» der erhobene Arm ans Israel niederfallen wollte, um es zn zerschmettern, ei»! mächtigerer „ausgestreckter Arm" ihn zur Seite schlug;

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