Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus welcher Zeit eine ziemlich große Anzahl von Glossen zu dem Comiiientar des „Redak" zu den ersten Propheten (dnrchgehends talmudische Relationen Llirmchis beleuchtend) stammen mag, läßt sich nicht genau ermitteln. Doch spricht Manches dafür, daß auch diese größtenteils noch einer jüngeren Lebensperiode angehöre». Dagegen wandte er sich erst im reifere» Alter dem Studium des Sohar und den übrigen bedeutenderen kabbalistischen Litteraturwerken zu (selbstverständlich ohne sich jemals auch nur für einen Augenblick ans das Gebiet der theoretischen oder gar praktischen Kabbala-Schwärmerei zu verirren), wovon u. A. ein fortlaufender Commentar zu dem angeblich Nachmanidischen Werke »lka-ouuma-velmliittaelwn" Zeugnis ablegt. Indes bilden alle diese kleineren Arbeiten, zu denen sich noch eine stattliche Reihe von in ihrer Art klassischen, theils an den Akeda, theils wieder an den Jaaroth- Tebasch (des Jon. Eibenschütz) gemahnenden Deraschroth gesellen, nur den geringsten Theil des beträchtlichen, neun starke Folio-Hefte umfassenden litterarische» Nachlasses. Derselbe enthält sodann noch Dissertationen und Novellen zu verschiedenen Traktaten des babylonischen und jerusalemischen Talmuds, nebst überaus zahlreichen Response». Und doch meinte der Verewigte selber — in seinem wenige Tage vor seinem Tode aufgesetzten Testamente") —, daß er auch in seinen jüngeren Jahren, vorzüglich um sich nicht im „Lernen" zu stören, nur das Wenigste ausgezeichnet habe. Es läßt sich nun leicht denken, daß die, nun auch recht ansehnliche, so doch nicht zu den alt-ansehnlichsten Gemeinde» des Landes zählende Gemeinde in Groß- Karoli um den Besitz eines geistliche» Oberhauptes, wie Maier-Perls — er war bald auch zu dem Ruf eines gerngehörten ausgezeichneten Maggid's gelangt — wozu seine ungemein sympatische Persönlichkeit nicht wenig bcigetragen haben niag — vielsach beneidet wurde. Es ergingen an ihn wiederholt sehr ehrenvolle Rufe ans Gemeinden wie Ungvar, Deutsch-Kreutz, Mnnkacs, Eisenstadt''') n. s. w, denen er mitunter, lediglich von Familienrücksichten festgehaltcn, nur schwer wiederstreben konnte. Einen Ruf ganz anderer Art erhielt er noch im Jahre 1874 aus Budapest an die Spitze des dort neu zu creirende» Laudes-Rabbinerseminar's. Die Thatsache dieser Berufung beweist jedenfalls, daß man in fortschrittlichen Kreisen von ihm iveseiitlich anders und besser dachte, als von sämmtlichen, gleich ihm, für orthodox bekannten hervorragenden Rabbinern des Landes. Denn Perls war auf dem Landes- Eougreß vom Jahre 1868, speciell in der Scminarfrage, entschieden mit der seminarfeindlichen orthodoxen Minorität gegangen. Indem man sich nun einige rvenige Jahre später doch ausschließlich nur a» ihn wandte, und sich mit der Hoffnung schmeichelte, ihn für das Seniinar zu gewinnen, -so rechnete man sicherlich nicht blos mit der banne chance für die eigene Sache, sonder» man setzte auch bei ihm h) Dasselbe wird von einem achtzeilgen „Leib und Seele" überschriebenen beachtenswerten hebräischen Gedichte eingeleitet ") Nach dem Abgang Hildesheimers von dortselbs».