Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nun hat das zum Mysticismus neigende Judenthum jener bewegten Zeit einen Fingerzeig erhalten, wonach Kvssuth's Namen eine biblische Bedeutung einnehme, so ward die Verfügung getroffen, daß der erwähnte Psalm — recitirt werde, und das ungarische Judenthum hat gläubig und unerschütterlich bei Kvssuth's Fahne ausgeharrt. Was Kvssuth's Persönlichkeit anlangt, blieb jene Episode nicht eindriickslos, denn er war der Prophet für Glaubensfreiheit nnd Glaubensgleichheit im Ungarlande. Schon in der Schule machte er keinen Unterschied im religiösen Bekenntnisse seiner Mitschüler und auch späterhin obgleich die völlige Glei'chberechtigungsidee — die im Principe bereits lebte — durch die Verhältnisse aufgeschobeu wurde,' zeichnete Kossnth auch als Politiker Inden mit seinem Vertrauen aus, übertrug Juden die Ausführung hochwichtiger Idee», ja einer seiner Sccretäre — Dr. Diostegi — war selbst auch Jude. W. Maier H'erts s. A. (1811 — 1893). Der Name des Vollendeten dürste auch den Lesern dieser geschätzten Blätter, zum Teil, nicht ganz unbekannt sein. Hierzulande (in Ungarn» ivar R. Maier Perls lange Zeit hindurch als eine der größten, ja zuletzt, etwa seit zwei Jahrzehnten, als die größte talinudische Capazität im Lande, fast allgemein bekannt, berühmt nur in den betreffenden engeren Kreisen, namentlich vermöge seines unvergleichlichen Scharfsinnes (Charifütlt) in der Behandlung talmudischer Lehrobjekte nach alter, pilpulistischer Methode, überaus bewundert. Ties will nun zwar Alles für das Deutschland von heute im Besondcrn gewiß nicht viel sagen,-zumal der Entschlafene niemals litterarisch thätg gewesen, das heißt genauer, mit seinen schriftstellerischen Erzeugnissen, an denen es, tote man sehen wird, keinesivegs fehlte, Zeit seines Lebens nicht an die Oefsentlichkeit getreten ist. Allein, seine Berühmtheit nnd seine hohe unbestrittene Autorität, als entscheidende Instanz für Fragen aus allen Gebieten der religiösen Praxis, stammt noch aus einer älteren Zeit, et»va aus den fünfziger und sechziger Jahren, während welcher Periode seine Jeschiba eine der besuchtesten und aufgesuchtesten im Lande war, so daß die Vermutung ivonach sich in Deutschland selbst noch heute mehr als ein früherer Schüler des Entschlafenen finden möchte, wohl nicht unbegründet sein dürfte. Diesen einstigen Schüler» R. Maier Perk's „draußen im Reich" zunächst und i» allererster Reihe dürften die folgenden anspruchslosen Zeile» vielleicht doch nicht ganz unwillkommen sein. Maier Perls wurde im Jahre 1811') zu Kojetein (in Mähren) geboren. Dort lebte nnd ivirkte damals sein Vater N. Mose Perls, der nachmalige hochbe- ') Das genauere Datum konnte bislang noch nicht festgestellt werden.