Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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131 unserer Zeitrechnung im römischen Weltreiche herrschend waren, die als das Ziel und den Zweck des Daseins die Glückseligkeit aufErden bezeichneten, wenn sie auch diesen Lebenszweck auf verschiedenen Wegen und durch verschiedene Mittel zu erreichen suchten. Dagegen lehrt R. Jaakob im Namen des Judentums, daß nicht die Glückseligkeit im irdischen Dasein, sondern diejenige der zukünftigen Welt als Lebenszweck anzusehen und zu beachten sei, den man durch einen frommen, thatenfrvhen Wandel im Diesseits zu erreichen streben müsse. — 18. R. Simon, Sohn Elasars sagt: Suche nicht deinen Nächsten zu besänftigen während seines Zornes; suche ihn nicht zu trösten während noch sein Toter vor ihm liegt; mache ihm keinen Einwand während er ein Gelübde thut; und bemühe dich nicht ihn während seiner leichtfertigen 'Handlungsweise zu schauen."— Der Autor dieses Spruches, ein Schüler des R. Mc'ir und älterer Zeitgenosse „Rabbis", scheint hauptsächlich gegen die damalige Sitte, wie sie noch heutigen Tages, und zwar vornehmlich i» der christlichen Welt herrschend ist, daß nämlich vor der Leicheiibestattung im Hause der Leidtragenden angesichts der Leiche kondolirt wurde, das Wort zu nehmen und mit drei verwandten Seelenstimmungen zu begründen. Denn — meint er — sowenig man Erfolg haben könne, wenn man einen von Zorn erregten und aufgeregten Menschen zu besänftigen oder einen aus innerem Herzensdrange, aus Angst und Furcht zu einem Gelübde angeregten davon abzubringen oder einen von» bösen Triebe zu leichtfertigem Thun verführten daran zu hindern tracksker sowenig es erfolgreich sein und glücken könne, einen Menschen in Momenten höchster innerer Erregung zu beruhigen und ihm mit Vernunftgründen etwa zu helfen, ebensowenig sei es zu euipfehlen, Trost zu spenden, so lange der Grund des höchsten und tiefsten Schmerzes gewissermaßen vor Augen sei, weil da noch die rechte, ruhige, vernünftige Stimmung fehle, um ihn anzunehmen. — (Fortsetzung.) Kossuth und Mabbiner. Anläßlich des Todes des großen Ungarischen Patrioten, dessen Andenken auch in Synagogen i» erhebender Weise gefeiert wurde, möge hier einer Episode aus seinem Leben gedacht werden. Im Ungarischen Revolutionsheere haben bekanntlich auch Juden unter den Fahnen Kossuths gestritten und sind für die hehre Idee der Freiheit freudig in den Tod gegangen. Doch nicht mir die Kraft der Wahrheit und der Überzeugung, zwischen Kossuth uud den Juden bestand noch eine persönliche Fühlung, ein mystischer Zusammenhang, wovon man im Revolutionsjahre viel erzählte, eine Tradition, die den