Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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126 erörtert wurde, der Sohn und die Tochter des R. Chanina ben Teradjon sie auf verschiedene Weise beantworteten, und R. Jehuda ben Baba habe gesagt, er stimme der Antwort der Tochter bei. Ferner wird von einer Unterredung des R. Jose ben Chalafta mit einer Frau über religiöse Fragen berichtet, und noch viele andere ähnliche Fälle sind bekannt. Frauen nahmen hohe Stellungen in Gemeinden ein. Prof. Emil Schürer liefert ein Beispiel dafür, daß Frauen zum „Archisynagogos" gewählt wurden, und er weist nach, daß der Titel ,)Iatvr Svnagogae7 sich nicht selten auf Inschriften findet. Derselbe Schriftsteller nimmt als erwiesen an, daß zu Christi Zeiten die Geschlechter in den Synagogen streng geschieden waren, obgleich dies in alten Schriften nicht erwähnt und selbst im Talmud nirgends von einem besonderen Raum für die Frauen die Rede ist. Doch ist dies keineswegs sicher. Die angeführten Fülle beweisen vielmehr nur, daß die strenge Trennung der Geschlechter in den Synagogen eine Folge späteren orientalischen Einflnsses ist, während in den älteren Zeiten größere Freiheit geherrscht zu haben scheint. Der „Frauenhof" im Tempel war durchaus nicht den Frauen allein reservirt; viele mit dem Gottesdienste zusammenhängende Funktionen tvurden daselbst von Männern verrichtet. — Die Vorschrift des Apostel Paulus: „Eure Weibsr sollen schweigen in den Kirchen" zeigt, daß für die jüdischen Frauen eine solche Verpflichtung nicht bestand und eine Baraitha gibt den Frauen sogar das Recht, beim öffentlichen Gottesdienst aus.der Thora vorzulesen; es.wird allerdings hinzugefügt, daß diese Sitte wegen der Würde des Gottesdienstes abgeschasft wurde. Während des Mittelalters wurde die höhere oder niedere Stellung der jüdischen Frau durch die Lage des Volkes bestimmt, in dessen Mitte die Juden wohnten. In Italien, wo die Frauen im Allgemeinen an der höheren Kultur thätigen Anteil hatten, war es besser als in Deutschland und Frankreich. Doch auch aus diesen Ländern sind uns eine Reihe von Namen gelehrter Frauen überliefert. Raschi's Tochter war sein Sekretär, als er krank wurde; Hannah die Schwester von Rabbenu Tam, unterrichtete die Frauen ihrer Stadt in ihren religiösen Pflichten, und berühmte Rabbinen citiren ausgezeichnete und gelehrte Frauen als Autoritäten auf religiösem Gebiete- Pellicanus, einer der besten unter den bekannten Theologen und Hebraisten in Deutschland zu Anfang des 16. Jahrhunderts, erzählt in seiner Selbstbiographie, daß er zum Studium des Hebräischen veranlaßt wurde, weil er gehört hatte, daß ein Doktor der Theologie in einer Disputation mit einem Juden über die christliche Religion durch die Beweisführung nicht nur dieses Juden, sondern auch einer Jüdin überwunden worden war. In Italien war die Zahl gelehrter Jüdinnen weit größer- Zu diesen gehört die Römerin Paula, aus der Familie des Nathan, Verfasser» des