Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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feit widerfahren nt, so dürfen wir doch entschieden behaupten, das; dies das Ergebnis derjenigen Leite des Ehristentums >var, welche in ihre», innersten Wesen jüdisch ist. In dein langen Zeilrannie, welcher ans die endgiltigc Vernichtung der jüdischen Nationalität folgte, wurde'die natürliche Entwicklung der jüdischen Religion und Littenlehre jäl, unterbrochen, ihr Strom in ein neues Bett gelenkt und war den mannigfaltigsten Schicktalsschlägen ansgesetzt. Gehaßt, verfolgt und umhergcivvrfen, fanden die Inden das einzige Mittel gegen völlige Auslosung und Vernichtung in der peinlichsten Ausarbeitung der formalen und rituellen Seite ihrer Religion, mit der sie sich wie mit einem Schutzwalle umgaben/ Der Talmud, der sich, besonders in Babttlon, unter orientalischen Einflüssen entwickelte, wurde oberstes Gesetz. Starres Festhalten am Hergebrachten, das Ergebnis furchtbarster,.Jahrhunderte währender Unterdrückung, förderte die äußere Abschlicßung und betvahrte die einmal vorhandenen Lebensbedingnngen auch im Abcndlande. Wenn wirklich Judäa --- nach Heine — einst „erschien gleich einem Stücke Seeident inmitten der Länder des Srieut," so stellten nunmehr die Inden den Srientalismus inmitten des Seeidents dar- Dem Einfluß des letzteren unterlag jede Seite des Lebens, und so wurde auch die Stellung der Frau wesentlich verändert. Die Frauen wurden von der Teilnahme an allen jenen Ceremonien ausgeschlossen, in welchen für den Sinn des Volkes die Religion ihren bedeutendsten Ansdruck findet. Tie Frauen wurden nach nnd nach in eine Linie gestellt, mit Kindern nnd Sklaven! ihr Zeugnis tvurde ans der Zeugenbank nicht zugelassen, selbst für das Erscheinen des Mondes galt es nicht. Aus der Stelle Teutcrvnominm YL 1U tvurde, entgegen den Regeln der hebräischen Sprache und entgegen dem klaren Wvrtsiu» geschlossen, daß die Töchter i» der Religion nicht unterwiesen tverden dürfen: und während Be» Asai lehrte, es sei eine Pflicht, ihnen diese Unterweisung zu geben, wurde die entgegengesetzte Ansicht des R. Elieser so populär, daß sie geradezu znin Sprichwort getvvrden ist. Schließlich wurde in das tägliche Gebet für Männer ein Lobspruch eingefügt, in dem sie Gott dafür dankten, das; er sie nicht zur Frau habe tverden lassen. Und dennoch war diese Gesinnung, einen so traurigen Einflns; sie auch auf die Stellung der Frau geübt hat, in der' ersten Zeit dieser Periode bei weitem nicht allgemein verbreitet. Der Geist der jüdischen Religion tvar zu kräftig, nm durch solche Engherzigkeit völlig unterdrückt zu tverden, und die jüdische Frau tvurde dadurch bei weitem iticht so erniedriegt. als man vermnten könnte- Rieht alle bedeutenden Rabbinen schlossen sich der Mciunug des oben erwähnten R- Elieser an, der eine gelehrte Frau, die ihn um die Erklärung einer biblischen Stelle bat, mit den unhvslichcu Worten abfertigt: „Die Gelehrsamkeit einer. Frau sollte sich ans das Spinnrad beschränken!" Viele waren vielmehr der Ansicht des!>(-» Assai. Sv wird erzählt, daß, als einmal eine halachische Frage