Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 — j gewinnen können und möchten in unserem Referate nur auf einige Stellen Hinweisen, die unser Interesse lebhaft' erregt haben und für die wir dem fleißigen Forscher und tüchtigen Kanzelredner zu besonderem Danke verpflichtet sind. Der Redner nimmt zu dem Vereine für „ethische Kultur" Stellung von dem er sagt (S. 34. 36), daß er sein edles Ziel nicht erreichen werde. Man suche an der Religion zu bessern und das Edel-Menschliche in ihr immer reiner und klarer auszuprägen, nicht aber in völliger Verkehrtheit sie ihres schönsten Schmuckes, nämlich der allgemeinen Menschenliebe zu entkleiden, indem man sich in ethischer Kultur berauscht und die Religion diese eingeborene Sehnsucht des Menschen nach dem Uebersinnlichen der Versumpfung anheim giebt. Fürwahr man sollte lieber die edlen Bestrebungen zur Läuterung der Religion, denen wir jetzt vielfach begegnen thatkräftig unterstützen anstatt neue Wege zu betreten, die doch nicht zum Ziele führen. Wie treffend diese Worte sind kann jeder nachempfinden der die Ziellosigkeit dieser neuen Bewegung besonders in Großgemeinden zu beobachten Gelegenheit hat. Bei einer Betrachtung über den Untergang Sodoms betont der Redner richtig S. 56: Wo die Erkenntnis erwacht ist da folge ihr die That, da trete nicht die Bedenklichkeit dazwischen, die uns lähmt und uns gleichsam in eine Salzsäule verwandelt, so daß wir nicht vorwärts und nicht rückwärts können. Ferner spricht der Redner (S. 88) von der Verwirrung inmitten des gegenwärtigen Israel, das in der Sorge um irdische Güter anfgeht und den Segen Abrahams nicht beachtet. Herrlich ist die Rede N. 33. Wir verweisen nur auf folgende Stelle: Ja dieses „Laß ab von uns" hindert von jeher allen Fortschritt in der Geschichte, es tönt seit Jahrtausenden allen edlen Männern entgegen, die sich der Hebung der Nolkswohlfahrt gewidmet haben, „Lasse mich in Ruhe" tönt es von überall. ^Und nun kommt erst mit idealen Interessen, etwa mit der Läuterung unserer religiösen Einrichtungen', fraget warum noch in vielen Synagogen Gebete beibehalten werden, deren Inhalt unserem Vorstellungskreise vollständig fremd geworden, oder die zu Mißverständnissen leicht Veranlassung bieten und in der That wie in alter Zeit so auch jetzt wieder den Vorwand zu Angriffen auf die Sittenlehre des Judentums geboten haben? Man wird sie rechtfertigen — und was kann man nicht alles rechtfertigen? — man wird den Zusammenbruch des ganzen religiösen Gebäudes Voraussagen, so auch nur ein Stein ans demselben herausgebrochen wird, und zuletzt wird man das Ehrgefühl vorschützen, das in der Zeit der religiösen Verfolgung keinerlei Nachgiebigkeit gestattet, genau betrachtet lauter Umschreibungen des altbekannten Einwandes „Laß uns in Ruhe! Störe nicht den religiösen Frieden." S. 227 heißt es: mit welcher Liebe hat er sich (Mose) der inneren Veredlung des Volkes gewidmet — Tausend andere hätten es aufgegeben ihre Mühe an einem solchen Volke zu verschwenden, das den alten Knechtsinn in das alte Wort des Stumpfsinns kkidete: Laßt ab von uns! Besonders Hinweisen möchten wir noch auf die gehnlt- und geistvolle Rede S. 36 in welcher der Redner anerkennend und ab-