Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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verwies man auch auf jüdische Quellen, welche doch am nächsten lagen, aber selbst wo nicht Parteigeist den Blick verwirrte, ihrer spröden Form wegen' die Heranziehung erschwerten. Ta hat denn ein gründlicher Kenner dieser Literatur, der leider zu früh vcrstqrbene Dr. Man. Joel das Anrecht des jüdischen Schrifttums auf die Vaterschaft des Spinozismus mit Umsicht und Nachdruck geldend gemacht. Hier erhob zum ersten Male das Judcntrm bestimmt seinen Anspruch auf Spinoza und holte damit nach, was sein Stolz und seine Ehre längst erheischt hatte. (Fortsetzung.) Won der Werl'iner Kanzel. Im Verlage von B. Weisstock's Buchhandlung in Berlin ist erschienen: Predigten und Schrifterklürungen von Dr. S. Maybaum, Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Erstes und zweites Buch Mose. Das Erscheinen eines Bandes von Predigten, die der Rabbiner einer Großgemeinde gehalten, verdient eine ganz besondere Beachtung, weil man dadurch in weiteren Kreisen Gelegenheit hat, Einblick zu nehmen in das Wirken von Männern, die berufen sind von der hohen Warte der Kanzel in schlveren Tagen, für das Judentum und seine Lehren Sinn und Begeisterung zu wecken, da von innen versteckter Fanatismus unter der Maske der Friedensliebe und sogenannter Freisinn, der nur schlecht den Jndiferentismus deckt, und von außen Haß und Lieblosigkeit, die keiner Belehrung zugänglich sind das Bessere so schwer.aufkommeu lassen. Bei Beurteilung solcher Reden, die aus dem engen Kreise in dem sie gehalten in die Welt der. Oeffentlichkeit treten, ist es daher weniger darum zu thun in einem Referate über die künstlerische Form der Predigten zu berichten, was strenge genommen eigentlich nur Männer vom Fache interessiren könnte, als vielmehr den Inhalt klar zu legen und die Gesinnung von welcher sie getragen, besonders wenn er auf die Zeit in der wir leben, und auf Fragen, die uns in derselben bewegen, sich bezieht. Bei Herrn Dr. Maybaum dem gewandten geistvollen Prediger fällt es zwar nicht schwer auch bei fachmännischer Beurteilung den kritischen Richter zu machen, da er durch die Gediegenheit seiner Leistungen diesen Dienst uns leicht macht. Es sind durchweg Reden, die uns zeigen, daß Männer wie Maybaum mit ganz anderem Geiste in das Wort der Schrift einzudringen vermögen wie gewöhnliche Redner, die oft die Flachheft ihres Geistes durch widerliches Phrasengeklingel nur schlecht verdecken und es gilt von ihm was er selbst in einer seiner Reden sagt: die heilige Schrift gleicht dem Acker mit dem verborgenen Schatze auf dem Grunde: wer nur die Oberfläche pflügt erzielt vergängliche Früchte, wer aber tiefer gräbt, der findet den Schatz. Wir haben die Reden Maybaums von Anfang bis zu Ende in einem Zuge durchgeleseu und empfehlen dieselben nicht nur Fachleuten, sondern auch Laien, die an Hand der^ selben einen tieferen Einblick in das Judentum und seine Ziele und Bestrebungen