Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 behörden in Schul- und anderen Angelegenheiten als die berufenen Vertreter der Gesamtheit der Israeliten geriren, während sie doch nach unserm Ritus Prädikanten und Gesetzesinterpreten in ihren Gemeinden sind. Schon früher wurde der Versuch gemache, die isolirt stehenden israelitischen Gemeinden zu einer Vereinigung zu organisiren. Der Versuch scheiterte an der Differenz der Auffassungen und an der Indifferenz des Einzelnen. Jetzt wollen wir^die freisinnig denkenden Israeliten vereinigen, um mit vereinten Kräften dem religiösen und socialen Krebsgang entgegenzuarbeiten. Wir legen Ihnen kein Programm vor. Ein solchds zu besprechen wird Gegenstand der ersten Generalversammlung sein. Dagegen Gilgen wir dem vom provisorischen Vorstande durchberatenen Statutenentwurf bei. Wir ersuchen Sie irgend einem Mitgliede des Unterzeichneten Vorstandes ihren Entschluß mitzuteilen, ob Sie unserer Vereinigung beizutreten oder wenigstens der ersten, größeren Versammlung beizuwohnen gedenken. Wenn ja, so bitten wir Sie, in Ihren Freundeskreisen für unsere Ideen und für unsere Vereinigung zu wirken." Waren die Kinder Israels jemals in Egypten? Das Decemberheft b.T „preußischen Jahrbücher" bringt einen Aufsatz aus der Feder Ludwig Rieß', Professor der Geschichte an der Universität in Tokio (Japan), welcher sich mit der Frage beschäftigt, ob die Kinder Israel jemals in Egypten gewesen sind. Die Ausführungen des Verfassers, die auch das Interesse weiterer Kreise beanspruchen dürften, wenden sich in erster Linie gegen die ForschungsresMate, welche die beiden fachmännischen Autoritäten Bernhard Stade, Professor an der Universität Gießen, und Dr. Eduard Meyer, Professor an der Universität Breslau in den letzten zwölf Jahren über diesen Gegenstand veröffentlicht haben. Die genannten Autoritäten haben auf das entschiedenste die Wahrheit der Thatsache bestritten, daß die Kinder Israel jemals in Egypten gewesen sein sollen, wie uns im alten Testamente berichtet wird. Rieß wendet sich gegen beide Forscher und weist nach, daß ihre Behauptiinge.n auf recht schwachen Füßen stehen. Er hält entschieden daran fest, daß die alte Tradition einen Kern von Wahrheit berge. Nach seiner Auffassung verhält sich der historische Vorgang etwa folgendermaßen : Bald nach der Vertreibung der Hyksos eroberten die egyptischen Könige einen großen Teil Syriensj; während dieser Eroberung hatten die Israeliten im nordöstlichen Egypten, im Lande Gosen Aufnahme gefunden. In der Mitte des XV. Jahrhunderts bedrohten jedoch die Ehetiter vom Norden her die egyptische Herr-