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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-05-01 · Heft 5 (1.5.1894) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 ab, sobald es im Boden steckt und Leben treibt, so sprießt es doch wieder mit einer Hülse, mit dem alten Kleid, das Mutter Natur gewoben hat. empor. Allein dieser Halm, diese Hülse wird doch wieder abgeworfen — und an den nährenden Kern kommt allein es an. Wohl nimmt die Religion immer wieder von neuem gewisse Formen an, in denen sic sich entwickelt, aber auf den Kern, auf die erste volle Menschenbildung, auf die ganze Entfaltung des Göttlichen allein kommt es an. Zur Tugend, zur Wahrheit und Sittlichkeit emporleiten — das allein ist's, was das- Judentum, was die Religion will. Lasset darum immerhin die Furchtsamen, die Lichtscheuen zittern. Auch wenn das ganze Gerüst fällt — der Gottcstempel wird nur desto herrlicher glänzen in der Menschheit und jedem Menschen erstrahlen, wenn alles Tote entfernt lind aus der Asche des Verkohlten die inner» Herzensglutcn vom Born des ewigen Lebens zu höherer Läuterung und Erhebung geweckt worden. Lasset immerhin den Menschenleib in Trümmer sinken — ein Sühnopfer ist's, das der Weltengeist fordert und ans der Asche steigt der Geist himmelwärts, vom Flngelschlag des ewigen Lebens berührt, um mit Gott vereint ans dem Strome unendlicher Wonne zu trinken. fortschrittliche Bestrebungen innerhatb der jüdischen Gemeinden in der Schweiz. Fürsprech H. Guggenheim in Baden, Dr. jur. H. Guggenheim in Zürich und M. Bernheim in Basel erlassen als provisorischer Vorstand der Vereinigung freisinniger schiveizerischcr Israeliten folgenden Aufruf an ihre Glaubensgenossen in der Schweiz: „Eine Anzahl Eiugeladener aus verschiedenen israelitischen Gemeinden hat es angezeigt gefunden, eine Vereinigung freisinniger, schweizerischer Israeliten zu gründen. Wir hielten es für nötig, der an vielen Orten eingetretenen retrograden Bewegung einerseits, der apathischen Gleichgültigkeit andererseits entgegenzutreten. Unsere frommen Eltern und Ahnen bemühten sich, die politische Gleichberechtigung und damit eine bessere .Lebensstellung zu erhalten. Jetzt, nachdem >vir dies erreicht, dürfen wir uns nicht undankbar zeigen und wie im Mittelalter uns vom christlichen Staate abschließe», der unsere Heimat bildet. Energisch gedenken wir gegen jene retrograde Bewegung Front zu machen, welche eine Scheidewand zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern aufzustellen sucht und in unserer erhabenen Religion nur Formen sieht, den edlen Kern aber ignorirt. Stellung nehmen wollen wir dagegen, daß sich unsere orthodoxen Rabbiner bei Gemeinde-, kantonalen, eidgenössischen, sogar bei Militär-

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