Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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108 allerdings Zwiespalt, vielleicht sogar Schisma zu befürchten, wenn man die Verschiedenheit der jüdischen Culte berücksichtigt; aber es wäre doch wenigstens Leben — Und ist dies nicht dem gegenwärtigen Zustand vorzuzichen. Und dieses mannhafte Auftreten in Wort und Schrift, durch sein ganzes, Leben, hat ihm von der gesamten Bevölkerung Mankua's das Ehrenattribut la gloria de Mantova „der Ruhm Mantua's" gebracht. Das Andenken Marco Mortaras wird stets ein gesegnetes bleiben, denn auch von ihm gilt ganz und voll des Dichters Wort: Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, Der hat gelebt für alle Zeiten. Ar. K. Köhler über die 'Bedeutung des Weforinzudentums. Es läßt sich kaum leugnen, daß, so sehr wir nach Licht und Helle streben, das religiöse Gemüt doch gerne ans Mysteriöse und Dunkle sich anklammert Eben weil wir das Unendliche, Uebersinnliche nicht erfassen können, schließen wir gerne das Auge, um mit dem innern Geistesblick es desto näher uns zu bringen. So übt denn auch im jüdischen Religionssystem das eine und das andere Gesetz eben wegen seines seltsamen, dunklen und geheimnisvollen Charakters einen starken. Reiz und Halt auf die Gemüter aus. In diese Kategorie gehört auch der Abschnitt von der Asche der Entsündigung, deren Zubereitung und Bedeutung schon den Alten recht rätselhaft und fremdartig erschienen, um trotz ihrer vielfachen -Analogien im heidnischen Opferdienst allerlei Geheimweisheit in sich zu bergen. Selbst Salomo mit seiner großen Weisheit, meinen die Rabbinen, hätte die Tiefe dieses Gesetzes nicht zu ergründen vermocht. Einst, erzählt der Talmud, hätte em Heide den Lehrer Jochanan Ben Sakai gefragt: Ist denn euer Brauch nicht eine Art Zauberei? Man nimmt eine rote Kuh, verbrennt sie, sammelt die Asche in einem mit Wasser gefüllten Gefäß, um mit der Sprengung derselben den am Leichnam Verunreinigten rein zu machen. Was soll man sich dabei Vernünftiges denken? Der große Lehrer gab verlegen zur Antwort: Treibt ihr nicht auch solch mysteriösen Zauber bei der Heilung der Kranken? Die Schüler wollten sich aber mit dieser Antwort ihres Meisters nicht zufrieden geben, und sagten: „Den Heiden da hast du mit Stroh abgefertigt. Wir wollen eine kernige Antwort." „Bei Eurem Leben!" erwiderte der Lehrer: „Nicht der Tote verunreinigt und nicht das Wasser iM, das rem