Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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* 102 jetzt, trotz der Unterstützung des Herrn Baron Joseph Treves, nicht von Erfolg gekrönt". Aber noch weitere 3 Jahre und das Rabbinerseminar ist eine freudige Wirklichkeit und Mortaras Einfluß war es zuzuschreiben, daß ich im Oktober 1886 eine Berufung an's Rabbinerseminar in Rom erhielt. Im Jahre 1886, am 21. Juni (18. Siwan) feierte Mortara sein 50jähriges Rabbiner-Jubiläum, und nicht, wie andere Jubilare, die sich damit begnügen, verherrlicht zu werden, veröffentlichte er einen musterhaften Indice alfabetico dei Rabbini e scrittori Israelitici di cose giudaiche, die Frucht jahrzehntelangen Studiums, eine unentbehrliche Fundgrube für die Geschichte der Juden und die Geschichte der jüdischen Litteratnr. Und 2 Jahre später kam die Jubelfeier seiner 50jährigen Amtsthätigkeit als Rabbiner Mantna's und wiederum war Marco Mortara nicht der empfangende, sondern der gebende Teil; sein herrliches Buch II pensiero Israelitico „der israelische Gedanke", ein Buch, das für sich allein genügen würde, das Andenken des Autors zu verewigen, erschien bei diesem Anlasse. Und wem Mortara es auch widmete? (Meinem Weibe, meinen Söhnen). In antiker Einfachheit, wie Walther von der Vogelweide und in der Neuzeit Friedrich Rückert dem Worte Weib den Vorzug gaben vor der höfischen Frau, so auch Mortara hier. Bei Einsendung dieses seines Buches schrieb er mir (de dato 8. November 1892). „Ich habe in diesem kleinen Buche das Wesen des israelitischen Gedankens behandelt, der Gegenstand ernster, aber nicht leidenschaftlicher Besprechung von Seiten der Ultra-Orthodoxen und Ultra-Liberalen werden dürste. Es ist mein rabbinisches Testament und enthält das Ergebnis meiner Studien seit mehr als 60 Jahren in Bezug auf Vergangenheit und Gegenwart des israelitischen Gedankens in seiner Hülle, ich bemühte mich, mich zu versenken in die Universalität eines unsterblichen Lebens, als die für die gesamte Menschheit einzig mögliche Zukunftsreligion. Mit ungeduldiger Sehnsucht erwarte ich Ihr Urteil und das des tiefeindringenden deutschen Forschergeistes. Mortara war auch ein Reformer, aber in dem Sinne unserer alten Weisen, die da behaupten, daß das Zerstören und Einreißen alter, erfahrener und' kluger Männer ein Bauen genannt werden muß. Er wußte, daß das Judentum stets dem echten Fortschritt huldigt und sein heißestes Bemühen war und blieb es, die Göttlichkeit der Bibel und die erhabene Mission Israels aller Welt und ganz besonders seinen Glaubensgenossen zu künden. Mortara war ein Reformer wie es Hillel mit seinen Prosbol war^ wie es die Pharisäer waren, die nachwiesen, daß das ins Talionis nicht im Geiste des Judentums sei, wie alle Männer, die den Geist höher stellen als den Buchstaben. In seinem Brief vom 4. Mai 1881 schreibt er mir unter Anderem: „Vielleicht könnte man durch eine Reform oder richtiger gesagt, durch Wiederherstellung des einfachen Cultus, wie er in Palästina einst war, das heilige Feuer des reinen Glaubens wieder aufleben lassen. Es ist