Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Euch den doppelten Loh» des erzieherische» Beispiels für Euere Kinder den Segen der Annen bringen, die durch Eueren Edelsinn anfgerichtet wurden. Mir sind, meine Brüder und geliebten Kinder, Euere wohlerzogenen Gemüter und die ergebene Treue zur israelitischen Familie bekannt. Und daraus ziehe ich den trostreiche» Schluß, daß unsere teuere Gemeinde, deren Dienste meine letzte Thätigkeit geweiht sein wird, auch in Zukunft gedeihen wird " Mit besonderer Inbrunst wiederhole ich heute das Gebet, das ich tagtäglich für Euch zu Gott richte: „Es segne Euch der Herr und beschütze Euch, Gott blicke gnädig auf Euch und sei Euch gnädig. Gott der Herr lasse seine Vorsehung über Euch walten und gebe Euch wahren beglückenden Frieden." Dieser Schwanengesang Mortaras war ein würdiger Abschluß seines Lebens. Nach kurzer Krankheit schloß er sein Lebe» am Freitag Abend 8 Uhr, de» 2. Febr. 1894 umgeben von seiner treuen Gattin Sara geb. Castelfranco/ seinen ihn hochverehrenden Kindern, Söhnen und Töchtern, Schwiegersöhnen und Schiviegcrtöchtern und übrigen Verwandten, sowie von den hervorragendsten Gemeindemitgliedern, denen er sein Lebenlang ein treuer Vater gewesen. Der Lebenslauf Mortaras war äußerlich ein ruhiger; denn vom Gelehrten gilt des Dichters Wort: „Gut hat gelebt, wer verborgen geblieben". Schon früh verlor er das Augenlicht an einem Auge, nröglich, in Folge langer Nachtwachen und des Lesens alter Handschriften. In einem seiner Briefe an mich bedauert er, nur einige Stunden des Tages litterarisch thätig z» sein, weil das eine Auge ihm jede» Dienst versage. Und doch hat Mortara nicht nur äußerst gediegene litterarWe Arbeiten geliefert, sondern an den hervorragendsten hebräischen, deutschen, französischen und italienischen Zeitschriften mitgearbeitet und jedem, der sich um Aufschluß an ihn wandte, bereitwillig und mit Pünktlichkeit geantwortet. S. D- Luzzatto, .Jellinek, Steinschneider, Almanzi und viele ältere und jüngere Forscher wandten sich an Mortara, den Bibliothekar der Bücherei der jüdischen Cnltnsgcmeinde in Mantua, der als herrliche Frucht seines Ehrenamtes als Bibliothekar im Jahre 1878 seinen t’atologo dei manoscritti della Bildioteea della Comnumita 'israelitica di Mantova (Livorno 1878) veröffentlichte. (Catalog der Handschriften der israelitischen Cnltusgemeinde Mantua.) Es würde uns zu weit führen, wollten wir auch nur annährend die 113 Schriften, die Mortara veröffentlicht, anführen; dieselben sind übrigens zum Teil in Ch. D. Lippe's Bibliographischem Lexicon s. v. Mortara und in der von uns angeführte» Rede enthalten, (allerdings die bloßen Titel). Es giebt kein Gebiet der jüdischen Litteratur, das von Mortara nicht gepflegt und bereichert worden wäre. Für die israelitische Jugend — für welche nur das Veste gut genug ist — schrieb er im Jahre 1855 sein Oompendio della Religion» israelitica und ließ dann in de» Jahren 1857—1862 die 3 Teile seines 6orso distruzione religiosa. enthaltend Grammatik, Katechismus und biblische Geschichte folgen. Schon im I.