Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-05-01 · Heft 5 (1.5.1894) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 5 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969961-2969967--4147-2977246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 99 — entspringenden Worte gelang es, daß man reichlich zum Bau einer neuen Synagoge spendete, die heute noch ein Prachtbau zu nennen ist. Bei der Einweihung dieser Synagoge im Jahre 1844 sprach Mortara folgende einleitende Worte: „Göttlich war die Stimme die zu Israel sprach: „Du wirst ewig leben;" göttlich die Religion, die vom Sinai aus dem israelitischen Volke verkündet wurde, und die nicht nur für die damalige Zeit mustergebend war und alle übrigen Religionen an Bedeutung überragte; die auch später und für alle Folgezeit der sicherste Führer zur Civilisation, und die nach unserer festen Ueberzeugung, Ende Und Höhepunkt jeder wahren Bildung sein und bleiben muß." Und als er die seltene Freude erlebte nach 52jähriger Thätigkeit den 50. Jahrestag der Wiederkehr der Einweihung der großen Synagoge, die sein Werk war, feierlich zu begehen, eröffnete er seine Rede wieder mit denselben Worten,*) war also dem Ideal seiner Jugend unverbrüchlich treu geblieben. Wir können nicht umhin, die Schlußsätze der letzten Rede, die er vor einigen Wochen noch gehalten, hier anzusühren: „O, meine Vielgeliebten!" Gott hat mir gestattet, den größten Teil meines Lebens Euch widmen zu dürfen. Wenn nun das Werk oft hinter meinem Wunsche blieb, habt Ihr dennoch niemals an meiner großen Liebe zu unserer Gemeinde gezweifelt. Diese Liebe, die in Freud und Leid an jeder Euerer Familien innigen Anteil genommen, haben ebensowohl wie Ihr, diejenigen die älter als ich sind, gekannt, als auch diejenigen, die uns ins ewige Leben vorangegängen. Nehmet daher für diese meine Liebe, die auch Ihr stets herzlich erwidert habet, mit freudigem Ernste die Worte, die mein Herz in dieser Stunde heiliger Erinnerung an Euch richtet an: „Erziehet Euere Kinder in der Ehrfurcht und Liebe zu unserer heiligen ruhmreichen Religion; schätzet nicht gering die äußeren Formen des Cultus, die dazu beigetragen haben, das Judentum trotz tausendfacher Verfolgungen unversehrt zu erhalten; gestehet vielmehr ein, daß die Notwendigkeit — die wirtliche und eingebildete — der gegenwärtigen gesellschaftlichen Regeln Euch an der gewissenhaften Beobachtung der Gesetze und Bräuche, an die Euch Euere Väter gewöhnt haben, hindert. Vor allem stärket in Geist und Herz Euerer Kinder den Geist der israelitischen Milde, Zeugnis und Sinnbild der Verbrüderung der Menschheit. Und von dieser traditionellen Mildthätigkeit liefert den Heranwachsenden Generationen ein glänzendes Beispiel, denn das war der nie welkende Ruhm Israels. O, daß unsere Vorgesetzten, die für die Bedürfnisse des Cultus und der Mildthätigkeit Sorge tragen, vor dem! Schmerze bewahrt bleiben, für die Armen nicht genug gethan zu haben. Euere freiwilligen Gaben, abgesehen von der inneren Befriedigung, werden 4) Wie aus seiner letzten Schri't, die einige Wochen vor seinem Ableben erschienen ist, zu ersehen. Es ist die Rede, die er anläßlich der 50. Wiederkehr des Jahrestages der Einweihung geschrieben und die den Titel fuhrt: >cl. Lmo. anniversario della consercrazione gel Tempio Maggiore israelitico Marco Mortara.ai suoi benaroati fratelli. Pubblicata della Coramisione Israelitica di Culto e Beneficcnza. Mantova. Stab. Tip. Lit. G. Mondori 1893.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.