Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 93 — schreibt man: Die hier bei ihrem Vater lebende Concertsängerin Miß Lilli Congesti hat ihre Ausbildung im Stern'schen Conservatorium in Berlin erhalten und ist in größeren Concerten hier und in ander«» Städten mit großem Erfolg aufgetreten. Die Berichte, die über ihre Leistungen vorliegen, rühinen ihre ganz besonders in den hohen Lagen modulationsfähige Stimme, und melden, daß von ihr vorgetragene Lieder von Brahms, Schumann, Schubert rc. das Publikum zur Begeisterung hingerissen hätten. — Der königl. Musikdirektor Herr Heinrich Porges in München erhielt in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die dortige Einführung und musterhafte Aufführung bedeutender Chorwerke eine Ehrengabe von 1000 Mk. aus der Beethoven-Stiftung des Allgeineinen deutschen Musikvereins. — Die schlesische Landeshauptstadt Troppau gehört zu den Bollwerken des Antisemitismus in Oesterreich. Schritt für Schritt hat der Anhang Schönerer's in dieser Stadt alle Positionen erobert und die antisemitische Mehrheit des Gemeinderateshat schließlich eine Willkür- und Gewaltherrschaft etablirt, deren verhängnißvolle Wirkungen sich auf allen Gebieten der städtischen Verwaltung fühlbar machten. Als zu Beginn der heurigen Theatersaison der Pacht des hiesigen Stadttheaters zu vergeben war, erhielten denselben die Herren Jantsch u. Freytag, obgleich ihre kaum inehr als mittelmäßigen Fähigkeiten und ihre finanzielle Unzulänglichkeit notorisch waren, nur deshalb, »veil sie die Protection der antisemitischen Partei angerufen hatten. Hierbei muß bemerkt werden, daß Herr Freytag sich jahrelang als Schauspieler der Troppaner Bühne um die Gunst der jüdischen Kreise eifrig bemüht hatte und von denselben vielfach gefördert worden war. Aber in dem Augenblicke, da es sein Vorteil schien, schlug er sich aus die Seite der Judenfresser. Der Lohn für diese Charakterlosigkeit ist denn auch nicht ausgeblieben. Die Direktion Jantsch und Freytag hat jüngst Concurs angesagt, nachdem die wohlhabende jüdische Bevölkerung das Theater consequent gemieden hatte, die Antisemiten aber lieber in die Kneipe liefen, als durch eifrigen Theaterbesuch ihren Gesinnungsgenossen aus der Verlegeuheit zu helfen. — Aru 27. Januar hatte der bekannte Maler Herr Josef Israels im Haag sein 70. Lebensjahr vollendet. Großartige Vorbereitungen waren seitens seiner Kollegen und seiner Verehrer getroffen worden, um eine der hohen Bedeutung des Jubilars entsprechende Feier zu veranstalten, als der wenige Tage vor seinem Geburtssest erfolgte plötzliche Tod seiner Gattin dem Festjubel Schweigen auferlegte. Dennoch aber.wurden ihm an diesem Tage Huldigungen dargebracht, wie sie hier zu Lande schwerlich jemals ein Künstler empfangen hat. Einer Einladung des Künstlervereins aus dem Haag folgend, hatten auch auswärtige Künstler und Bewunderer dem Jubilar ihre Glückwünsche gesandt; von den Deutschen mögen hier nur Menzel, Gabriel, Max, Defregger und Uhde genannt werden, während sich auch Männer wie Zola, Rubinstein und Verdi der Reihe der Gratulirenden anschlossen. Israels ist am 27. Januar 1824 in Groningen geboren, studirte zuerst an der Akademie in Amsterdam, dann 1846 bis 1847