Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Herrn H. Derenburg zum Präsidenten der 8<»eiete de Etudes Juives, in Paris gewählt. — Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Rom, Cavaliere S. Esdra, fiel auf der Piazza de Venezia todt zu Boden. Als Gouverneur der Bank von Italien nahm derselbe eine hohe Stellung in der Finanzwelt ein. — Von dem sehr reichhaltigen litterarischen Jahrbuch „Haasif" herausgegeben von Hern R. Sokolow, ist der sechste Jahrgang soeben erschienen. — Der Berichterstatter des „Dally Ehronicle" in Odessa teilt mit, daß die russische Regierung in Kurzem der Karaim-Sekte der Juden gleiche Rechte verleihen will, wie die Christen besitzen. Die Karaim wohnen an der Küste der Krim und in den Gouvernements Cherson und Podolien. Der Berichterstatter behauptet, daß die russische Regierung stets einen Unterschied gemacht hat zwischen den Karaim und den gewöhnlichen Talmud-Juden. Auch bisher habe» sie viel mehr Rechte besessen als die letzteren. — Aus New-Uork berichtet man: Reverend Henry L. Philipps, Rektor der bischöflichen Kirche in Philadelphia, hat sich einer Sonutagspredigt wie folgt ausgesprochen: „Nehmt den Juden zum Muster! Warum ist es, daß er ein so kleines Prozent zur Verbrecherklasse stellt, daß er vor dem Richterstuhle, im Gefängnisse, im Armenhause so selten gefunden wird? Warum ist es, daß die Höhlen des Lasters und der Sünde, die in dieser Stadt und in allen größeren Städten blühen, so selten freqneutirt werden von Leuten jenes Volkes! Es ist wie ich glaube, aus dem Grunde, daß der häusliche Herd der Juden das edelste Urbild jenes lieblichen und zarten Heimlebens bietet, dessen Einflüsse die Kleinen bilden und ihre Herzen formen für Rechtschaffenheit, für das Edle und Erhabene. Wer von uns kann leugnen, daß der Jude bekannt ist wegen seiner Liebe und Anhänglichkeit zum Gesetze und seiner Achtung für dasselbe? Gestaltet euer häusliches Leben nach dem Vorbilde des jüdischen! — Bei der diesjährigen Rekrutenaushebung hat sich in Korfu ein für die Kultur- und Bildungsverhältnisse der Gemeinde sehr beschämender Fall ereignet. Es wurden nämlich sieben jüdische Rekruten ausgehoben, die, als sie das Beeidigungsprotokoll unterfertigen sollten, einstimmig und errötend eingestehen mußten, daß sie nicht schreiben können. — Die von dem Wiener volkswirtschaftlichen Schriftsteller und National-Oekonomen, Herr Dr. Theodor Hertka, angeregte Idee, in Afrika und zwar am Fuße des Kilimandjaru eine Kolonie „Freiland" zu gründen, in der eine neue gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Ordnung herrschen wird, geht nun rasch ihrer Verwirklichung entgegen und werden nächstens schon die ersten Colonisten am Tanafluß erwartet. ■' „Freiland" dürfte bald eine Musterkolonie werden. — Die Beni-Jsrael in Judieu beginnen eine regere wissenschaftliche Thätigkeit zu entwickeln und das Interesse für Litteratur wird auch bei ihnen geweckt. So sind vor kurzem die Asharot von Gabriol und ein neueres Werk des Chachams der portugiesische» Gemeinde zu London des Rabbiners Astruc, über die Cirkumnision in ihre Mahrate-Sprach übersetzt. Wie in alten Zeiten kommt es auch heute noch in diesen Gegenden vor,