Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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85 damals überall so ziemlich dieselbe war. Daß aber heutzutage die deutsche Judenheit zusammen mit den Juden Galiziens und „Halbasiens" sich den Beschlüssen einer Synode unterordnen würden, müssen wir doch stark bezweifeln. Dagegen sollte es uns freuen, wenn deni so wäre. Denn dann wäre wirklich zu hoffen, daß das Judentum allerlei Gebräuchen, die ihm eine unter den andern Nationen so isolierte Stellling anweisen, der Abschied geben und sich allmählich sozial dem modernen Leben assimilieren könnte. Sprüche der Water und ihre Historischen Weziehungen von Rabbiner Dr. F r i e d m a n n in Lublinitz. (Fortsetzung). 15a. „Rabbi Jannai sagt: Wir können nicht erklären weder das ruhige Glück der Gottlosen noch die Leiden der Gerechten". — Der Autor dieses Spruches ist nicht der Lehrer des R. Jochanan, welcher zur Zeit des Septimius Severus (193—211) lebte und Jannai „Rabboi" hieß zur Unterscheidung von einem jüngeren Gelehrten gleichen Namens, welcher der Zeit R. Ammis angehörte und Jannai „Seira" genannt wurde (Ende des dritten Jahrhnnderts n. u. Z.), sondern er ist der Jannai „Sabba", welcher in der Zeit R. Akiba's blühte (vgl. Liber Juchassin, ed. Filippowski pag. 71), und der ^Svruch, welcher (sprachlich) nicht so übertragen werden kann: „Wir genießen weder ^dets Glück der Frevler noch erdulden wir die Leiden der Gerechten", bezieht sich i ch t auf den leidlichen Mittelzustand, dessen sich die Juden unter Septimius ^SeveruL erfreut haben (Grätz, a. a. O., 4,452), sondern er enthält die bekannte Zeitfra«, die über das Glück der Gottlosen und das Unglück der Frommen, welche besondent in den unglücklichen Tagen der Hadrianischen Verfolgung sich aller Gemüter bemächtigte, als so viele Fromme und Gerechte den Märtyrertod erlitten. R. Jannai Saba wußte dieses Problem der Menschheit nicht zu lösen, und er mochte auch nicht von der Lösung R. Akiba's sich befriedigt fühlen (s. oben zu 3,15). — 15b. „Rabbi Mattisja, Sohn des Cheresch sagt: Komme Jedermann in der Begrüßung zuvor. — Sei lieber unter Löwen der Schweif als unter Füchsen das Haupt". — Diese Worte des Zeitgenossen des R Elasar b. Asarja und deß P. Simon b. Jochai, welcher in den Tagen des Kaisers Nerva (96—98) von Palästina nach Rom zog (vgl. Frankel, Z. a. a. O. 130, Weiß, a. a. O. II, 122.), sind antirömisch. Bezüglich des Grußes und des Verhaltens und Benehmens dabei wurde von den Römern ein Unterschied gemacht gegenüber den Höher-, Gleich- und Niedrigergestellten, und dagegen meinte mit Recht R. Mattisja im Sinn des Judentumes, daß man mit diesem Ausdruck allgemeiner Menschenliebe und Zuneigung .