Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Zum Schlüsse möge noch die Ansicht ausgesprochen werde, daß es Pflicht Her Schüler Jellineks wäre, wie der Dr. Frankl, Dr. Kurrein, Dr. Leimdörfer, in Hamburg und Weißkirchen, Dr. David, Preßburg, die „Neuzeit" im Sinne und Geiste des Verblichenen sortzuführen und zu erhalten als ein bleibendes Denkmal der Schule Jellineks, mit dem für das Judentum Oesterreichs eine neue Zeit begann. 6. _ Leidens-Wries. In drei Teile», ans einem hebräischen Manuskript in der Kaiserlichen Hofbibliothek in Wien, übersetzt von dem sel. Rabbiner Dr. N- Brüll, während seiner Studienzeit. (Fortsetzung). Am 28. Kislew 502 d. k. Z. (6. December) ritt ein Fürst, in Begleitung einer großen Neitcrschäar aus dem Bayerischen Heere mit Pauken und Trompeten daher; der König von Bayern wurde zum Könige von Prag und dem ganzen Lande Böhmen ausgernfcn. Donnerstag darauf ritt der bayerische König in Begleitung aller Reichsfürsten durch alle drei Stadtteile; Nachmittags feuerte man in der Stadtfestung zu Ehren des Königs aus den großen Brandrohren die sogenannten Freudenschüsse ab und am 2. Tebet legten die Stadthürger dem Könige den Huldigungseid ab, der darauf den Fürsten Bcfeur zum Gouverneur und Commandanten der Stadt Prag einsetzte. Im Monate Tebet (December bis Januar) war eine große Kälte, alle Flüsse froren zu und aus Besorgnis, daß die Oesterreichcr unversehens über den Strom kommen könnten, ließen die französischen Befehlshaber durch Tausende von Christen Tag und Nacht aus der Moldan das Eis aushauen und fortschaffen. Mittwoch den 5» Schebat (10. Januar 1742) erließ Letant de Chelels von den Franzosen einen Befehl in französiischer Sprache, daß man ihm in kurzer Zeit Flachs zur Anfertigung von Matten anschaffe- Von den jüdischen Flachskäufern schickte er jedem drei Mann Execntion die bei ihnen mehr al^t zwanzig Tage blieben, was sehrgroße Ausgaben — jedem 27 Kreuzer täglich und außerdem Alimentation, Lagerstätte und Licht — verursachte, bis einige Gemeindemitglieder diese Lieferung übernahmen mit einer Auslage von fünfzehn tausend Gulden aus unserer Gemeinde. Genannter Befehlshaber gab zwar die mündliche Zusicherung, daß er oas Geld in einigen Monaten bezahlen werde, hat diese aber nicht erfüllt. Donnerstag den 3. Schebat (11. Januar) trug der König den Stadtleuten auf, ihn binnen 6 Monaten 6 Millionen in 3 Terminen zu leihen und zwar sollten sie den ersten Teil, zwei Millionen sogleich geben. Der auf die Juden entfallende Teil betrug 32 000 Gulden. Es gab viele Auslagen durch die Execution bis wir uutcr Thräncn und großer Betrübnis die 32000 Gulden hergaben.