Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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81 In Prag trieb Jellinek einige Jahre linguistische Studien, absolvirte das Gymnasium und besuchte kurze Zest die Universität, zugleich eine Hofmeisterstelle bekleidend in der Familie Rosenbacher. Irrtümlicherweise herrscht die Meinung, als ob Jellinek unter Rappaport in Prag gewesen wäre, was unrichtig ist, da Jellinek vor Rappaports Ankunst nach Leipzig ging, wo er bis 1857 als Prediger wirkte. Soviel ist sicher, daß die beiden Männer lebhafte Freundschaft und wissenschaftliche Corrcspondenz unterhielten und als Rappaport am Laubhüttenfeste 1867 verschied, eilte Jellinek nach Prag, uni ihm am Hoschano Rabba die letzte Ehre zu erweisen. Zehn Jahre vorher kam Jellinek von Leipzig nach Wien, welches Ereignis seine heimatliche Gemeinde durch eine besondere Deputation an ihn markirtc. Bei Lebzeiten seiner Eltern kam Dr. Jellinek manchmal nach Ung.-Brod und Schreiber dieses weiß sich ganz gut aus seiner Knabenzeit der Predigt zu erinnern, die damals so berechtigtes Aufsehen erregte und zwar behandelte sie die große Vergangenheit Ung.-Brods aus Grund des Psalmverses: Wach auf, meine Herrlichkeit erwache o Harfe und Flöte, ich will die Morgenröte gleichsam die Jugendzeit erwecken! Bei dieser Stelle sei auch der anderen Männer erwähnt, die der Gemeinde Ung.-Brod entstammen und ihr zur Ehre gereichen. Zunächst wäre der Familie Fcilbogen zu gedenken, von der noch eine „Stiftung" in meiner Vaterstadt besteht. Ihr gehörten an die Rabbiner von Ung.-Ostrau, dessen Sohn Rabbi Josef F. in Holleschau viele Jahre fungirte, dessen Söhne waren Rabbiner in Meseritsch und Straßitz. Erstcrer lebt jetzt in Wien. Ferner Rabbiner Dr. Zuckermandel, der Herausgeber des Tosefta, dessen Väter und Großväter in der Heimat Dajanim waren. Auch wäre noch Rabbiner P. Singer in Var-Palota zu nennen, dessen Bruder R. Chaim Singer ein namhafter Hebraist war, Als solcher verdient auch genannt zu werden der frühere Vorsteher der Gemeinde R. Chaim Pollak, der als Jünger der Prcßburger Jeschiba Kaiser Ferdinand mit einem hebräischen Poem anläßlich der Krönungsfeste begrüßte. In dem von ihm gestifteten neuen Friedhofe wurde er als der Erste bestattet. Er starb kinderlos. Auch er war ein Verwandter Jclstneks, wie auch die Rabbinerfamilie Pollak, Vater und Sohn in Mähr.-Aussee, bezw. in Holisch (Ungarn). Ob Jellinek der Familie des „Schach" entstammt, wie der „P. Loyd" schrieb, scheint nicht so ausgemacht zu sein, dagegen rühmte er sich oft der Verwandtschaft mit Rabbi Hirsch Brode von Kittsee (Ungarn). Was die Bedeutung Jellineks betrifft für die Wissenschaft und die Wiener Gemeinde, werden wohl andere und bessere Federn zu schreiben und zu schildern wissen, wie er gleich dem Hohepriester Aron vermittelnd und versöhnend dastand, zwischen dem im Judentum Abgestorbenen und Lebensfähigen und Existenzberechtigtey, hier sollte bloß ein geschichtlicher Beitrag zur rechten Würdigung des großen Toten, dessen Andenken für alle Zeiten fortleben wird bei Mit- und Nachwelt, als Charakteristik gegeben worden.