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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-04-01 · Heft 4 (1.4.1894) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 4 (1.4.1894)
Date
1894-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Noch dankbarer und aufnierksamcr erwies er sich aber gegen seinen ersten Talmudlehrer Reb Schlome Bramer, der 108 Jahre alt, vor noch nicht langer Zeit in Ung. Brod gestorben ist. Durch diesen scharfen Pilpulisten wurde Jellinek in die labyrinthischen Hallen des großen und weiten „Beth-ha-midrasch" eingeführt und als dieser ehrliche und wahrhaft fromme Mann aus der alten Schule einsah, daß sein Schüler im Wissen und Können ihm sozusagen über den Kopf wachse, riet er..dem alten Reb Joseph Jellinek — der, nachdem er die Ockonomie in Drslowitz aufgab, in seiner Gemeinde sich niederließ und eine schönes Haus bildete — später spendete er auch heilige Geräte für die neue Synagoge — seinen Sohn nach Proßnitz in die „Jeschiba" zu schicken. — Daselbst hatte Jellinek Gelegenheit, seinen Geist zu bilden und zu entfalten, da Proßnitz die erste und älteste Fortschrittsgemcinde in Nlähren war — daselbst wirkten Schwab und Fasset — aber Jellinek verkehrte noch viel mit den bedeutenden Talmudisten Reb Mosche Wannefried und Reb Jochanon Papa, deren Familienglieder zum Teile in Wien sich ansäßig machten. — Um nun einen Rückblick in Kürze auf jene Zeit zu werfen, sei es gestattet ans die großen Männer hinzuweisen, die entweder in Ung.-Brod selbst wirkten, oder dieser hochintelligenten -Gemeinde entstammten, die jederzeit für das Schulwesen große Opfer brachte und deren Anstalt stets starke Frequenz sogar von auswärts aufzuweisen hatte. Namentlich war dies der Fall unter dem leider allzufrüh dahingeschiedenen Rabbiner Herrmann Roth — dem Schwiegersöhne des berühmten Rabbi Mosche Perls, Rabbiner zu Eisenstadt und Bonyhad — zu dessen Schülern auch mein hochverehrter Lehrer, Herr Lector I. H. Weiß sich zählt. Rabbi M. Perls kam hochbctagt nach seiner Heimat, wo er im Ruhestande nur wenige Wochen verlebte und im Sommer 1855 starb. Zwei Jahre vorher kam erst Rabbiner Roth nach.Ung.-Brod, wo er ca. 10 Jahre znm Wohle und Heile der Gemeinde und des Judentums wirkte. Aus seiner „Jeschiwa" gingen einzelne tüchtige nnd bedeutende Männer hervor; so Dr. Frankl s. Andenkens, der vor ca. sieben Jahren in Johannisbad in der Vollkraft des Lebens verschied. Ferner dessen Cousins Dr. Frankl-Grün in Krcmsier und dessen Bruder in Oberndorf, Dr. Sinnt) in Neubidschow u. n. a. Tie Genannten waren zugleich Schüler Jellineks oder sind als seine Jünger nnd Anhänger zu betrachten. In den Jugendjahrcn Jellineks wirkten in Ung.-Brod die Rabbiner Mosche Jehuda Rosenfcld, den man für einen Kabbalisten hielt und vielleicht war dies auch die indirekte Veranlassung für Dr. Jellinek, sich mit der jüdischen Geheimlehre eingehend zu beschäftigen. Fernere Nachfolger sind: Buchheim, der auf tragische Weise endete, Kralowsky und Moises Nascher, später in Benja. Rabbiner Nascher fungirte ebenfalls blos 10 Jahre in Ung.-Brod und hielt auch eine kleine Jeschiwa daselbst. Doch haben sich seine Schüler, von denen einige nach Preßburg gingen, ipäter dem Lehrfache und dein Geschäfte zugewendet.

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