Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1894)
- Date
- 1894-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 schüft der Knute gelangt, und das ist auch die historische Grundlage für die bekannten Niederlassungsgrenzen, innerhalb deren die Juden zusammengepfercht sind. Das Nicderlassnngsgebiet wird gebildet und begrenzt im Norden durch die ehemaligen polnischen Landschaften Wilna, Grodno, Kowno, Witebsk, Mohilew, Minsk, im Osten durch die drei Gouvernements der Ukraine oder Kleinrußlands (Kiew, Tschernigow, Pultawa), im Süden durch die Gouvernements Südrußlands Jekaterinvslaw, Taurien, Cherson Bessarabien, die durch die Eroberung Chasariens über» nomme» wurden, im Westen durch die ehemals poln. Gouvernements Podolien und Wolhynien. Abgesehen von diesen Gebieten, von denen die Ukraine ebenfalls lange Jahre polnisch war, gibt es nur noch im eigentlichen Polen Juden. War also unser bisheriges Resultat mehr ein negatives, ergab es sich, daß die russ. Juden so zu sagen nur poln. Jude» sind, so werden wir jetzt die Ursachen dieser massenhaften Ansammlung unserer Brüder im alten Polen weiter suchen müssen. ' ' III. Pole n. Es ist ein merkwürdiges Spiel des Zufalls, daß, während Chasdai seinen Brief an den Chasarenfürsteii schrieb, dem Ivir die ersten genaueren Nachrichten über den von diesem beherrschten Teil' Rußlands verdanken, einer seiner Landsleute, Stammes- und Zeitgenosse» genau um dieselbe Zeit, um 960, Polen bereist hat. Des span. Juden Ibrahim b. Jakob Bericht über diese Reise, der erst 1888 in Deutschland bekannt wurde, und die Grundlage jeder polnischen Geschichte seitdem bildet, erwähnt nichts von Juden in diesem Lande. So falsch es wäre, lückenhaft und unvollständig überliefert wie seine Erzählung uns ist, aus diesem Schweigen derselben das Nichtvorhandensein jener folgen zu wollen, einen gewissen Anhaltspunkt für eine solche Vermutung bietet es immerhin. Wie wahrscheinlich die ersten jüdischen Einwanderer in Rußland Nachkommen der Chasaren waren, so wird dies Proselitenvolk wohl auch Colonien nach Polen entsandt haben. Ein stärkerer zweiter Einwanderungsstrom zog gegen Ende des 11. Jahrhunderts aus Deutschland herein, der allmählich sich über das ganze Land verbreitete. Drei edlen Fürsten vor allem verdanken es diese unglücklichen Heiniatlosen, daß ihnen hier im Osten Europas ein Sonnenblick des Glücks lächelte, während überall sonst die Stürme des Volksundjj Glaubenshasses sie umtosten. An Anfeindungen fehlte es indeß sicherlich auch hier nicht. Das beweist schon die Thatsache, daß ein Schutzbrief nötig war, wie ihn Bhleslaw d. Fromme, Herzog v. Kalisch und Großpolen für sie ausgestellt (imj I. 1264). Notdürftiger Schutz gegen Mord und Totschlag, viel mehr ward den Juden dadurch nicht gewährt. Hohen Wert hatte für sie indeß der § 31 dieses Jüdcnstatuts, der lautet: G e m ä ß den B e st i in m u n g e n d e s P a p st e s verbieten wir auf dasEntschiedenste,dieJuden unsererTerritorien zu beschuldigen, als ob sie sich Menschenblutes be-