Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bühne muß eben leer gemacht werden für Benaja, der endlich eintritt und Micha dringend zu fprechen begehrt. Jetzt wird er doch schnell seinem arglosen Schwiegersohn sagen, wer der gefährliche Gast ist, der drinnen allein mit Mirjam plaudert? Nein, noch lange nicht. Er zieht es vor, in bequemem Lehnstuhl seine Lebensgeschichte zu erzählen. Aber gerade jetzt, wo die Gefahr für Mrjam am größten, beschreibt er, wie einst sein Weib von Oswald's Vater entführt und zum Selbstmorde getrieben worden sei. Er selbst habe sich an dem Sohne gerächt, indem er ihn finanziell ruinirte. Noch immer hat Micha keine Ahnung, daß sein Prager Student der Junker Oswald sei! Der passionirte Erzähler würde vielleicht ganz vergessen, es ihm zu sagen, hörte man nicht Oswald durch alle Zimmer rufen: Mirjam! Mirjam! „Kennst du den Gast?" ruft Besann. „Der Junker! Laß ihn mir und meiner Rache!" — „Nein," erwidert Micha, „ihn schützt des Hauses heil'ges Recht!" Da haben wir die zwei wohlbekannten contrastirenden Judentypen: den rachsüchtigen Benaja ein Gemisch von Eleazar und Shylock, und den großmütigen Micha, der seinem Todfeind kein Haar krümmen läßt. Dafür hat übrigens Benaja schon gesorgt, indem er Gist in Oswald's Becher mischte. Benaja läßt den Giftbecher aufs Geratewohl stehen und geht wieder mit seinem Schwiegersohn spazieren, damit Oswald und Mirjam ungestört noch ein letztes Liebesduett singen können. Der wilde Junker ist plötzlich ein frommes Lamm geworden; er erklärt sich „von des Hauses Frieden verwandelt und bekehrt." Nur einen Kuß erbittet er sich noch. Mirjam verweigert ihn; doch möge Oswald mit seinen Lippen den Rand des Bechers berühren, den sie zum Abschied leert. Natürlich ergreift sie den vergifteten Wein, dessen Wirkung sich sehr rasch bei ihr einstellt. Sie stürzt zusainmen, singt noch, wie verklärt, eine Vision vom schönen Mai und fügt sterbend die Hände ihres Gatten und ihres Geliebten zusammen. — Man schreibt aus Paris. Wieder hat ein talentirter Künstler von der französischen Academie der schönen Künste einen Preis davon getragen, um den sich Viele beworben haben. Es ist dies der Rossini-Preis, welcher entweder für eine poetische beste Arbeit oder auch für ein Tonstück verliehen wird. Ein solches war es nun, mit dem Herr Hirschmann den Preis errang. Der bekannte französische Musik-Kritiker Francisque Sarcey ist voller Lob und spricht in den anerkennendsten Ausdrücken von Herrn Hirschmann. — Die Pianistin Frl. Clotilde Klrrbcrg ist in Anerkennung ihrer hervorragenden künstlerischen Verdienste vom Minister des öffentlichen Unterrichts und der schönen Künste in Paris, zum Offizier der Academie ernannt worden. — Ein Enkel des früheren Rabbiners in Neapel des Prof. A. Randegger, Giuseppe Aldo, ein junger Mann, der noch nicht das 20. Lebensjahr überschritten, hat jüngst seine Studien am Conservatorium in Neapel vollendet, und verließ diese Anstalt, zu deren vorzüglichsten Schülern er stets gehörte, mit dem Diplome eines Professors des Piano. Der noch junge Professor hat auch zugleich eine Anstellung erhalten,