Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden Asser Benaja. Sie erscheint mit ihrer Magd Josepha gleichfalls auf dem Festplatze und wird sofort von Oswald angehaltcn: „Verweile Mädchen, und kündige mein Urteil: Leben oder Tod!" Noch ehe sie dieses Urteil fällt, wird unter Trompetenschall ansgcrufeii: „Der Tanz beginnt, die Wahl ist frei!" So ganz frei ist die Wahl' allerdings nicht, sie muß bar bezahlt werden. Der Bursche, der im Licitationswegc die höchste Summe auf ein bestimmtes Mädchen bietet, darf mit ihm tanzen. Natürlich verliert Oswald keine Zeit und bietet für Mirjam gleich hundert Ducatcn; ein ansehnliches Sümmchen für den „heimatlosen Bettler", wie er sich selbst nennt. Da durchbricht aber Mirjam's Vater plötzlich die Menge und bietet 200, dann 300 Dukaten, „daß Jener nicht mit ihr tanze". Oswald steigert bis 5000 Dukaten und legt noch seinen kostbaren Schmuck dazu — vergebens! Benaja besiegt ihn mit zehntausend und versetzt ihm überdies die niederschmetternde Nachricht, Mirjam werde heute noch mit dem Doktor Micha Merari vermählt. Oswald ruft ihm die Drohung nach: „Tein itinb ist mein! Ich suche und finde sie!" Ter zweite Akt zeigt uns, wie er diese Drohung ausführt. Die feierliche Vermählung Mirjam's mit Micha hat eben stattgefunden, als Severin in unkenntlicher Vermummung herein stürzt und den berühmten Arzt beschwört, einem im Walde liegenden Verwundeten beizustehen. Trotz einbrechender Nacht eilt der menschenfreundliche Mann in den Wald. Seine junge Frau bleibt aber nur wenige Minuten allein — nicht länger, als sie zu einer schwärmerischen Strophe über Frühlingsluft, und Fliederduft benöthigt. Da ist auch schon Oswald zur Stelle mit einer stürmischen Liebeserklärung. Dem Drängen Oswald's, mit ihm zu fliehen, erwidert Mirjam mit strenger Berufung auf ihre Pflicht. Um dieses zwischen Werbung und Ablehnung schaukelnde Liebesduett nicht zu stören, haben Severin und Josepha sich kosend in den Garten zurückgezogen- Unerwartet bald kehrt Micha zurück; war doch die ganze Geschichte von dem Hilfslos Verwundeten ein von dem Junker inscenirtcr Trug. Oswald wird dem eintretenden Hausherrn als der Sohn eines befreundeten Rabbi und als junger Mediciner vorgestellt, der auf der Durchreise nach Prag begriffen iit. Der edle Micha, der immer Alles glaubt, glaubt ohneweiters auch diese plump improvisirte Fabel und ladet den Fremden als Gast in sein Haus. Den Act beschließt ein leidenschaftlicher Monolog des plötzlich.herankeuchenden Benaja; er ahnt sogleich, welchen schrecklichen Gast Micha beherberge. Anstatt aber, wie man vermuten sollte, unverweilt ins Haus zu eilen und Micha aufzuklären, bleibt er rachedürstend im Vorhof stehen. Zu Beginn des dritten Actes sitzen Mirjam, Oswald und Micha gemütlich beim Nachtessen. Der alte Benaja geht wahrscheinlich draußen spazieren; er läßt sich noch immer nicht da blicken, wo sein Erscheinen so dringend notwendig wäre. Micha fordert, kaum daß das Nachtmal begonnen, Mirjam und Oswald auf, zusammen „das . Haus zu durchwandern, von einer Thür zur andern".