Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61 (später in Berlin) Prüsungscommissäre waren. Unter den 16 Prüflingen, worunter Bernh- Wechsler, Leop. Stein, David Einhorn u. A., erhielt Grünebaum die Note „sehr gut" mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß er den ersten Platz einnehme. Am 18. August 1835 wurde er sodann als Landrabbiner des Fürstentums Birkenfeld angestellt, nachdem er auch dort zuvor eine Prüfung hatte bestehen müssen. Am 35. Juni 1836 endlich wurde Grünebaum als Rabbiner des Rabbinatsbezirks Landau angestellt, woselbst er über 57 Jahre gewirkt hat. Am 25. Juni 1886 wurde daselbst das fünfzigjährige Amtsjubiläum Grünebaum's unter allseitigster Teilnahme in feierlicher Weise begangen. Die später im Druck erschienene Festrede hielt der Bezirksrabbiner Herr Dr. Mayer aus Zweibrückcn, während der Bezirksrabbiner Dr. Landsberg aus Kchserslautern das Gebet sprach. Sr. Majestät König Ludwig IIverlieh bei diesem Anlasse dem verdienstvollen Rabbiner und Gelehrten den Michaelsorden II. Klasse. Nach nicht ganz 3 Jahren sah sich Grünebanin wegen zunehmender Altersschwäche genötigt, einen Verweser zu stellen, de,r ihm,d!e Bürde des Amtes abnahm. Er fand denselben in einem Hörer der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Herrn Dr. Oppenheim. Am 25. September, am ersten Tage des Hüttenfestes starb Grünebanm im Alter von etwas über 86 Jahre und wurde am 27. September unter großer Teilnahme von nah und fern auf dem Friedhöfe in Landau beerdigt, nachdem ihm etwa 1 */* Jahre zuvor seine langjährige, treue Lebensgenossin im Tode vorausgegangen war. An seinem Grabe sprachen der Rabbinatsverweser Dr. Oppenheim, sowie die beiden pfälzischen Amtsbrüder des Verewigten, die Herren Dr. Mayer und Dr. Landsberg. Grünebaum war einer der ersten wissenschaftlich gebildeten Rabbiner Deutschlands. .In Bezug auf seine religiösen Ansichten huldigte er dem entschiedenen Fortschritt, aber auf dem Boden des in der Bibel und in der in ihrem Geiste wurzelnden Tradition positiv Gegebenen. Er suchte durch formvollendete deutsche Predigten und Einschaltung deutscher Gebete dem Gottesdienste neues' Leben einzuhauchen, wie er andererseits auch auf die Hebung der Ordnung beim Gottesdienste bedacht war. In Chelius' Gesetzessammlung findet man eine von ihm entworfene Gottesdienstordnung, sowie einzelne deutsche Gebete. Seine Hauptsürsorge aber wendete er den Schulen zu, denen er tüchtige, seminaristisch gebildete Lehrer zuzuführen bestrebt war, oft gegen den Willen der Gemeinden. Trotz seiner kurzen anitlichen Wirksanikeit im Fürstentum Birkenfeld brachte er es dahin, daß bei seinem Abgänge in allen Gemeinden tüchtige Lehrer angestellt waren. Im Bezirk Landau, der aus über 20 Gemeinden besteht, fand er mir vier ordentlich gebildete Lehrer vor; aber schon nach wenigen Jahren waren es deren sechzehn. Waren einzelne Gemeinden zu klein zur genügenden Besoldung eines Lehrers, so erwirkte er aus Grund der Allerhöchsten Verordnung vom 16. Februar 1828 Zusammenlegung verschiedener kleiner Gemeinden zu einem Schulbezirk.