Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969961-2969965--4103-2977200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
t r -— m — geiftes angewandten, wer ihnen übcrnatiirliche Entstehung zuschreibt, der nur kann behaupten, das; bei den Hebräern von allein Anfang an ein ideales Verhältnis zwischen Mann und Weib bestand, der wird aber andrerseits einen schweren Stand haben, mit dieser Behauptung die iveithin zerstreuten Spuren einer mit derselben in direktem Widerspruch stehenden Lage der Frau in Einklang zu bringen. Ter Ursprung der Hebräer unterscheidet sich in nichts von dem der übrigen Menschheit. Im Anfang waren sie wilde Horden, gleich den Borfahren aller anderen Völker; dann entstand Kultur und Gesittung in langer Entwicklung und langsamem Wachstum, bis sie einen so hohen Stand der Bildung erreichten, daß sie zu der Meinung verleitet werden konnten, von Anbeginn an auf der Höhe der Civilisation gestanden zu haben. Tie biblischen Erzählungen legen kein Zeugnis ab für die Lage des Volkes zu der Zeit, welche sie zu schildern versuchen, sondern sie spiegeln nur die Gesinnungen und die Bildung ihrer Verfasser wieder, die allerdings die höchsten religiösen und sittlichen Anschauungen ihrer Zeit zum Ausdruck bringen. Daher gilt auch selbst von der biblischen Zeit das, was ein ausgezeichneter Gelehrter so richtig als eine allgemeine Wahrheit ansspricht: „Die jüdische Religion hat den Juden gemacht." Die feinste Blüte der Prophcten-Religion stnden wir nun in der dem Weibe zugewiesenen Stellung in der Geschichte ihrer Erschaffung, wo die Vollkouunenheit der Ehe in der engen Verbindung eines Mannes und einer Frau auf Lebenszeit in so erhabener Weise ausgedrückt ist, daß nicht nur alle Darstellungen des klassischen Altertums in den Schatten gestellt werden, sondern daß. auch die höchste erreichbare Civilisation ein höheres Ideal nicht erdenken kann. ' „Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die für ihn passend <d. h. ihm gleich) sei." Die vollkommene Gleichheit von Mann und Frau wird hier gelehrt, die auch weiterhin durch den Gedanken ausgedrückt wird, daß die Frau aus dem Manne gemacht ist, und die bekräftigt wird durch den Ausruf des Mannes: „Ties ist Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleische, sic soll ,Männirü heißen." Mann und Weib ergänzen einander; Mann und Weib sind eins. Und nicht zufrieden mit dieser nachdrücklichen Aeußeruug, fügte der Verfasser hinzu: „Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seinem Weibe anhängen, und sie werden wie ein Fleisch." Es ist charakteristisch für den Stand unserer gegenwärtigen Kultur, sestzustellen, wie oft dieser letzte wunderbare Ausspruch falsch citiert wird durch Umkehrung der darin gegebenen Stellung von Mann und Weib. Meines Wissens ist noch niemals nachdrücklich ans den bedeutungsvollen Sinn des Textes hingewiesen worden, der nicht sagt, daß das Weib, der Physisch schwächere Teil, ihrem Manne