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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-03-01 · Heft 3 (1.3.1894) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 3 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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— 5h wilde Grausamkeit beugte schonungslos sie darnieder; der Geist in ihnen ward ertötet und ans den Ebenbildern Gottes wurden stumpfsinnige Crcaturen, die wie ein Tier in seiner Tretemühle gedankenlos ihr Werk vollbrachten. Da plötzlch erscheint Moses mit seiner großen Mission, ein Retter für das schmachtende Volk. Er tritt an Israel heran, verkündet ihm die frohe Botschaft seiner bevorstehenden Befreiung und fordert es ans, mutig anszuharren im festen Vertrauen auf den Herrn. Und Israel? Wie begrüßt es die freudige Kunde seines großen Retters? Mit eisigem Schweigen nimmt es die bedeutsamen Worte auf, und die Schrift berichtet in ihrer lakonischen Weise: „Sie horten nicht auf Moses wegen der Kürze ihres Atems und wegen schwerer Arbeit". Der Tyrannen grausame Marter hatte jedes ideale Streben, jedes edlere Denken in ihnen ertötet, so daß sie den Worten Moses verständnislos gegenüber standen. Und da habt Ihr den ersten Grund der Teilnahmlosigkeit auch an unseren Bestrebungen: die erschwerten Lebens- und Erwerbsverhältnisse unserer Tage. Gar viele unserer Glaubensbrüder sind gar nicht imstande, den Ausgaben des modernen Judentums Zeit und Kraft zu widmen „wegen der Kürze ihres Atems und wegen schwerer Arbeit". Ich meine all die Armen und Bedrängten, die um die notwendigsten Bedürfnisse des Daseins zu kämpfen und zu ringen haben vom frühen Morgen bis zum späten Abend, denen an jedem Tage auf's Neue der Ruf ihrer Geliebten entgegenschallt: Schaffet uns Brod, daß wir essen, gebt uns Gewandung, daß wir uns kleiden. Von diesen Unglücklichen, meine Andächtigen, kann wahrhaftig nicht verlangt werden, daß sie auch noch für die höheren Angelegenheiten des Judentums, für die heiligen und bedeutsamen Aufgaben der Reform Zeit und Kraft erübrigen. Wer mit den Sorgen um das tägliche Brod zu ringen hat, von dem darf man billiger Weise nicht erwarten, daß er auch noch in den Dienst idealer Interessen trete. Hunger thut weh, und Nahrungssorgen sind schlimnier als Krankheit und Tod. Darum verargen wir es auch keineswegs all jenen Unglücklichen, daß sie von unseren Bestrebungen sich fern halten, ihnen kalt und gleichgültig gegenüber stehen. Wir haben für solche Menschen aufrichtiges Bedauern und inniges Mitgefühl und wünschen aus tiefstem Herzen daß die teilnahmsvolle Liebe treuer Menschen ihre Thränen trockne und ihre Not lindere, so daß auch sie, wenn sie nicht mehr zu keuchen haben unter der Last schwerer Lebensschicksale, unseren Aufgaben und Bestrebungen als treue Mitarbeiter gewonnen werden. II. „Kozer ruacli“ bedeutet aber nicht allein „Kürze des Atems" sondern auch „Kurzsichtigkeit des Geistes, Kurzsichtigkeit des ganzen Denkens". Und da habt ihr die zweite Ursache für die - kalte Teilnahmlosigkeit, mit der gar viele unserer Glaubensbrüder der Reformbewegung innerhalb des Judentums begegnen. Ihr

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