Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 beschwerlich sich lvsringt aus dem Moder der Vergangenheit und nur unter zahllosen Hemmnissen und Fährlichkeiten über das Geröll und Gestrüpp veralteter Bräuche mühsam den Weg sich bahnt. Aber so gewiß, wie aus dem kleinen Gewässer am fernen Gebirgsabhang allmählich der majestätische Strom sich herausgebildct, dessen nnergründliche Fluten sich stolz hinabwälzen in des Meeres endlose Tiefe, so gewiß wird auch die Reformbewegung innerhalb des Judentums, gespeist durch zahlreicke Zuflüsse von allen Seiten, im Lauf der Jahre sich herausgestalten zum mächtigen Strome, dessen brausende Wasser siegreich dahinfluten über alle hemmendeu Schranken der Zeit. Das ist unsere Hoffnung und unsere Zuversicht für die komnieuden Tage. Und >väs uns z» dieser, Manchem vielleicht etwas kühn erscheinenden Auffassung berechtigt'? Nun vor Allem die einfache geschichtliche Thatsache, daß jede fortschrittliche, das gottesdienstliche und religiöse Leben veredelnde Bewegung innerhalb des Judentums zuerst stets von unfern Brüdern der alten Richtung verspottet und geächtet wurde, und als dann der fortschreitende Geist sich mächtiger erwies, als mau ans jener Seite anfangs geglaubt, da bequemte man sich allmählich dazu wenn auch widerstrebend und schweren Herzens, der neuen Entwickelung der Dinge sich anzuschließen und mit dem fortgeschrittenen Zeitgeiste sich auszusöhnen. Der einfache Hinweis auf die deutsche Predigt, diesen wichtigen Bestandteil des modernen Gottesdienstes auch bei unfern strenggläubigen Brüdern, möge für die Berechtigung meiner Auffassung Zeugnis ablegen und auch in Euch das Bewußtsein stärken, daß, wenn auch unsere Erfolge in der Gegenwart nur geringe sind, doch unseren Bestrebungen die Zukunft gehört. Freilich, das Eine wollen wir uns nicht verhehlen: Schwere Kämpfe wird cs kosten, ernste und selbstlose Arbeit erfordern, wenn das Ziel, nach dem wir ringen, erreicht werden soll. Denn nicht gering sind die Hemmnisse und Hindernisse, die Vorurteile und Gewohnheitsbrüuche, die veralteten Anschauungen und überlebten Auffassungen, die wie eine undurchdringliche Mauer sich unfern Bestrebungen entgegenstellen. All' diese störenden Einflüsse nun in ihrer Bedeutung und i» ihren Folgen klar zu erkennen, sei der Zweck unserer heutigen Betrachtung. Denn nur wenn wir die Gründe und Ursachen der geringen Erfolge unserer Bemühungen in ihrem Wesen erkannt, sind wir im Stande, mit kraftvoller Energie auf ihre Beseitigung hinzuarbeiten. Wir knüpfen unsere Betrachtung an das Wort unserer Pesachgeschichte: We lo scharau el mosche mikozer ruach umeabodah kaseha. „Hub sie hörten nicht auf Moses wegen der Kürze ihres Atems und wegen schwerer Arbeit." Möget Ihr meinen Darlegungen ein williges Ohr leihen damit unsere Betrachtung uns zum Segen gereiche. I. Meine Andächtigen! Versetzt Euch im Geiste in die Lage unserer Vorfahren in Egypten. Harter Druck lastete auf ihren Schultern; der Frohnvögte