Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
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mit ihnen, die Schuld unserer Gemeinde zu zahlen, dann seit ihr bestimmt und bereit für die künftige Welt. In derselben Nacht war auch Herr Jsak Levi Austerliz, Hauptmann der Nachtwächter der Judenstraße; er selbst gieng einige Stunden mit noch einigen Gemeindemitgliedern durch alle Straßen, besondere Aussicht zu halten über alles Kleine und Große und nach Mitternacht als er sah, „daß diese "Nacht unterschieden ist von allen Nächten" befahlen sie den Dienern, den Rabbiner R. Jonatan, die Gemeindevorsteher und alle Kinder unserer Gemeinde bedächtig ohne Ucberraschnng aus dem Schlafe zu wecken, wie auch die Verkaufsbuden in den Straßen wegzuräumen. Da hörten wir lauten Kanonenschall. Bis gegen 5 Uhr kamen die Juden einzelnweise in einem Laufe nach Hause von den Schanzen und viele von ihnen fielen da vor Schrecken in Ohnmacht. Sie berichteten, daß die französischsächsischen Truppen an zwei Stellen, nämlich beim Sand- und beim Neuthore mittelst Leitern die Stadtmauern erstiegen haben, während sie mit Kanonen das Hradschin-Thor und Wischehrad beschossen. Zuerst marschirten die sächsischen Truppen unter General Weißbach bis zur Mitte ihrer Leiber den Strom hindurch und zogen auf Schanzen mit Leitern gegen das Neuthor. Der Anführer Weißbach, wie noch einige Hauptlente der Soldaten sielen von der Leiter und starben durch eine von beu Schanzen abgefeuerte Kanone, die übrigen Soldaten aber erstiegen mit Leitern die Mauern, öffneten das neue Thor, machten viele Soldaten, die sie auf der Mauer antrafen nieder, anderen zogen sie die Kleidung ab und viele Hunderte nahmen sie gefangen; nur an die Juden legten sie keine Hand und sagten zu ihnen: Gehet nach Hause. Als man in der Judenstraße hörte, daß sic mit Gewalt in die Stadt gekommen, ließ man in unseren Straßen ausrufen, daß jeder in die Synagoge gehen und Psalmen beten solle. Um sechs Uhr früh kamen einige Reiter in die Judenstraße und verlangten Brod und Branntwein. Juden, die französisch redeten, giengen mit ihnen und gaben ihnen zu essen und zu trinken und sagten dann zu ihren Glaubensgenossen: Fürchtet ilicht und zaget nicht, denn der König hat ihnen befohlen, daß sie keine Person, weder von Christen noch von Juden berühren, auch an die Beute legten sie keine Hand. Dann gieng man in die Synagogen, Bußgebete und Psalmen zu lesen. Zugleich zollten wir dem Heiligen, gelobt sei er, Dank und Lob dafür, daß er uns außerordentliche Wunder bewies, sowohl als wir auf den Schanzen waren, daß keiner von uns erschlagen oder verletzt wurde, als auch bei der Eroberung der Stadt. Es verlasse uns nicht und verstoße uns nicht der Herr, unser Gott. Amen. Sonntag, den 18. Kislcw 502 d. kl. Z. (26. November) kam ein .Hauptmann mit einigen Soldaten zu den Vorstehern der Gemeinde im Anstrage des königl. französischen Befehlshabers, daß die Juden sogleich 2000 ungar. Gulden dafür geben, damit sie die Judengassen nicht plündern, wenn aber nicht, werden sie den Soldaten auftragen, daß sie sogleich plündern.