Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dienstag am 28. Marcheschwan (7. November) verschworen sich die Jünglinge, die „Studenten" genannt werden, kampsbereit und schlagfertig dazustehen; sie wählten sich Hauptleute und zogen wie andere Kriegsleute, mit Waffen, Fahnen und Pauken einher; ihr Wachhaus war auf der Straße an dem Platze, wo die Aerzte ihre Beratungen halten, der Karoliiium heißt. Darob überfiel die Angehörigen unserer Gemeinde ein großer Schrecken, da sie (d. Studenten) stets deren Unheil forderten, umsomehr nun, da — schone und laß Frieden sein — dem Verderben die Gelegenheit sich darbot. Aber durch die Barmherzigkeit dessen, der gelobt sein möge, verglichen sich die Vorsteher der Gemeinde mit ihnen uud gaben ihnen zu ihren Kappen sogenannte „Maschen" aus himmelblauer und weißer Wolle, ihren Hauptlcnten aber solche von Gold, so daß die Feinde in Freunde umgewandelt, auf der Straße „Tandelmarkt" vortrefflich Wache hielten und man sicher wohnen konnte. Wenn alle Meere Tinte ivärcn, wäre es nicht möglich, ausführlich das große Wunder zu beschreiben, das Gott, gelobt ist er, dadurch an unserer Gemeinde verübte. Mittwoch den 29. ,8. November) ließen die Geineiudcvorstcher in unseren Straßen ansruse», daß man Rindfleisch nicht theuercr als um 7 Kreuzer und Lammfleisch nicht theuerer als um 5 Kreuzer kaufe, da die Köchgin (Kaiserin) die Fleischsteuer gegen die frühere Höhe derselben in unserer Provinz um 1 Kreuzer pr. Pfund herabgesetzt habe. Der angesehene Mischet Jeiteles, einer der Häupter der Gemeinde wurde beauftragt, darüber zu wachen, aber es kamen einige Fleischhauersleute, Mvrdechai Bauch mit seinen Söhnen und seinem Bruder Samuel in das Haus des genannten Mischet Jeiteles, alle in wahrhaft schäumender Wut als wollten sie ihn erschlagen. Er rief durch das Fenster nach der Wache und als diese ankam, stießen die Fleischhauer die Soldaten hinweg und zerbrachen ihnen die Waffen. Als das Oberhaupt, betitelt General Ogilvp, davon hörte, befahl er sogleich, daß zwanzig Mann Militär in die Buden dieser Fleischhauer gehen und darüber wachen, daß das Fleisch nicht verkauft werde, und achtzehn Husaren wieder in das Haus der Gemeindevorsteher, bis diese genötigt waren, selbst diese Fleischhauer auszuforschen und in die Hände derer, die ihnen nach dem Leben trachteten, ansznliefcrn, da die Angst und die Befürchtung, daß die Husaren in der Judenstraße plündern werden, groß war. Diese ritten sogleich mit ihnen zum Gefaugenhanse auf der Kleinseite mit gezogenem Schwerte, wie mit.Todesschuldigen und legten ihnen an Händen und Füßen Eisen an. An diesem Tage ging man ipcht auf den Tandelmarkt, wir waren faetisch eingesperrt und nur durch große mehrwöchentliche Bemühungen der Gemeindevorsteher und des Rabbiners R. Jonathan Eybschütz erwirkte man, daß die Verhafteten einige hundert Gulden Strafe zahlten uud befreite sie mit Gottes Hilfe aus der Haft. Donnerstag am Neumondtage des Kislew 502 (9. November) nahmen die Gemeindevorsteher wahr, daß die Last groß und sie selber sie nicht ertragen könnten,