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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-02-01 · Heft 2 (1.2.1894) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 2 (1.2.1894)
Date
1894-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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Vorbereitungen unvermögend ist, möge seines Weges aus der Stadt Prag gehen. Am 8. Tischri 502 d. k. Z. (18. September) fiengen die Juden an Wälle zu errichten. Bor Tagesanbruch kamen Soldaten mit Pauken, um die Leute zu wecken und die Vorsteher der Gemeinde bestellten und wählten vier Richter und Vorgesetzte die Arbeiten zu beaufsichtigen. Auch am Rüsttage des Versöhnungstages giengen die Juden (zur Arbeit) bis zum Mittage, wie überhaupt immer am Sonntage, weil man am heiligen Sabbate dies nicht thun konnte, dreihundert Juden hiengiengen um den Sabbattag zu ergänzen. Das Volk zerstreute sich nach allen vier Seiten der Stadt zu dieser Schanzarbeit. In der Neumondsnacht des Cheschwan <10. Oktober) sah man einen großen Kometen, dessen Schweif von Nordost nach Nordwest in Form einer sich zerteilenden Flamme hinzog und die Strahlen hatten einen Glanz wie das Mondlicht in der Mitte 'des Monats. Die Sternkundigen erblickten darin die böse Verkündigung eines großen Krieges und in der That brach in diesem Jahre ein großer und gewaltiger Krieg aus, in dem nämlich der König von Polen und der Herzog von Bayern darnach trachteten, eine Provinz der Königin, — ihr Glanz hebe sich, — in Besitz zu nehmen. Am Vorabende dieses Neumondtages (9. Oktober) begann man in unserer Gemeinde Wachen aufzustellen, allnächtlich 40 Gemeindemitglieder nach dem Lose. Wen dieses traf, der mußte selbst gehen und auch einem gelehrten oder reichen Manne war!es nicht gestattet, einen anderen an seiner Statt zu stellen. Sie verteilten sich nach acht Punkten unserer Straßen und die Ansehnlicheren unter ihnen saßen im Hause des Herrn Feibel Barbirer und hatten die Schliissel der Straßenthore in ihrer Hand. Zweimals des Nachts gieng ihr Kommandant selbst durch alle unsere Straßen, die Bürgerwachen zu besichtigen und in unserer Gemeinde die Aufsicht zu erhalten. Am 19. Cheschwan 502 d. kl. Z. (29. Oktober) verordnete das Rabbinerkollegium, daß man täglich nach dem Achtzehn-Gebete die Selicha „Gedenke" einmal das Sündenbekenntyis (Widduj) das „Erhöre uns" und das „Wer erhört hat" sage, am Montage -und Donnerstage soll das „Und er ist barmherzig" mit erhöhter Stimme und zuweilen am Abende vor der „Bitte" (Tachanu) das „Unser Vater unser König" gebetet werden; nach dem eigentlichen Gebete sind noch zehn Psalmen zu recitiren. Tagtäglich fasteten nach der Bestimmung des Loses 24 Männer, die am Morgen in der Synagoge „Alt-Neuschule" sich versammelten um Bußgebete und Psalmen, wie am Abende vor dem Gebete wiederum Psalmen zu lesen. Die Bestimmung ^durch das Los geschah durch den Rabbiner und Prediger, unseren Lehrer R. Jonatan Eybschitz und täglich gieng ein Diener jedem (auf den das Los gefallen) anzukündigen, daß er bereit sei, den kommenden Tag zu fasten und sich in der Synagoge „Alt-Neuschule" beim Gebete einzufinden.

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