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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-02-01 · Heft 2 (1.2.1894) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 2 (1.2.1894)
Date
1894-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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wv es heißt „es-war", ist nur ein leidbringendes Ereignis vorauszusetzen — und ein solches trat ein, da ein Ruf ward vernommen, nicht ein Ruf des Lichtes, und nicht ein Ruf der Freude, sondern ein Ruf der Klage und des Jammers, daß nämlich, unser gütiger Herr, der Kaiser Karl VI. am 18. Tischri 500 d. kl. Z. (23. Oktober 1740 nach christlicher Zählung) in der Stadt Wien' gestorben sei. Der Heilige, g. s. e., hatte aber schon früher den Balsam für diese Wunde bereitet, denn als der ebengenannte gütige Kaiser sah, daß er keine männlichen Nachkommen habe, ernannte er, damit nicht die Negierung und die Erbländer in die Hände Fremder fallen, seine an Klugheit, Schönheit und Thatcn grosse Tochter Marie Theresie, nachdem sie dies angenommen, bestätigt und festgestellt hatten, zur Erbprinzessin in allen Provinzen seines Reiches mit Einstimmung der Regierung und vieler Fürsten. In der That wird sic bald ehrenvoll zur Erzherzogin' in der Stadt Wien, wie in allen Provinzen Oesterreichs gesalbt und die benachbarten Ungarn krönten sie, so daß sowohl in jener Stadt, als auch in allen Ländern ihres Reiches Jubel und Freude war. Doch wenige Monate darauf zog der König von Preußen mit einem großen Heere in die Provinz Schlesien und eroberte die Stadt Glogau, daun die Hauptstadt Breslau, wie auch den größten Theil der genannten Provinz und ihrer ^Städte. Damals vernahmen wir ein nicht verhallen wollendes Gerücht, daß die drei Könige von Frankreich, Preußen und Sachsen wie auch der Herzog von Baiern an den Grenzen ihrer Länder mit großen Heeren stehen, ohne daß man wußte, wohin sie ihren Weg nehmen werden, ob in die Provinz Oesterreich oder in die Provinz Böhmen. Es dauerte aber nicht lange, bis man aus ihren Operationen erkannte, daß sie gegen die Provinz Böhmen ziehen wollten. Im Sommer des Jahres 501 d. kl. Z. eroberte'der König von Frankreich die Stadt Linz in Oesterreich. Ta verordneten die Häupter und Führer der Gemeinde Prag im Vereine mit dem Rabbinerkollegium am Nenjahrstage 502 d. kl. Z. (11. September) in allen Synagogen ein strenges Verbot auszurufen» daß niemand, weder Mann noch Weib an den Festtagen andere als die Sabbatgewänder aulege. Für die Werktage untersagten sie überhaupt, sich mit Silber und Gold zu schmücken, für das Fest der Gesetzessreude, daß man für den Umgang viele Thorarvllen aus der Lade nehme und daß auch nicht am Tage, wie gebräuchlich, der Bräutigam neben seiner Braut einhergehe. Auch in der Stadt Prag wurde in allen drei Stadttheilen ausgerufen, daß sowohl Juden, wie Nichtjuden Zehrung, Speise, wie überhaupt Lebensmittel herbeischafsen und in Bereitschaft halten, damit wenn die Stadt — schone und laß Frieden sein — in Belagerung kömmt, keine Hungersnot entstehe, wer aber zu solchen Z. (1741): dann auch der Leiden »ach ihrer Eroberung und nachdem sie wieder unter österreichische Herrschaft gekommen war, von denen allen uns der .Herr in seiner endlosen Gnade und Barmherzigkeit errettet hat.

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