Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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( Das ist nichts Neues, nichts Ungeheuerliches, was hier ausgesprochen wird; es ist schon oft gesagt worden, srcilich — etwas anders lautend. Denn wenn man spricht von den großen weltgeschichtlichen und weltbeglückenden christlichen Ideen, sic sind nichts weiter als jüdische Ideen. Das Judentum lehrte zuerst der Welt und kann ihr heute noch lehren, daß der Gei st soll herrschen, nicht der Naturtrieb, daß Gerechtigkeit soll herrschen, nicht rohe Macht, daß Sittlichkeit soll herrschen, nicht Zügellosigkeit, daß Liebe soll herrschen, nicht Haß, daß Duldsamkeit soll herrschen, nicht Unduldsamkeit, daß Friede soll herrschen, nicht Streit und Krieg. Gottesherrschaft über den Menschen und Gottesherrschaft im Menschen, das ist die Idee des Judentums. Alles wahrhaft Große und Edle in der Menschheit, alle Wahrheit, alle Sittlichkeit, alle Menschenliebe, die heute die Welt beherrschen sind Geburten dieser jüdischen Idee, nitd mögen sic tausendmal ihre Mutter verleugnen, sind Geist vom jüdischen Geiste. Fruchtlos müht sich der Materialismus unseres Jahrhunderts, eine neue Ethik, die auf sich selbst beruht, zu schaffen; umsonst, ohne. Gott keine zwingende Ethik, ohne Majestät des Gesetzgebers keine Majestät des Gesetzes. Ter Materialismus unserer Tage hat zerstört, aber nichts geschaffen, hat niedergerissen, aber nicht aufgebaut. Er möchte in seiner Welt selber nicht leben, wenn ihm nicht der Idealismus ein friedliches Zelt aufgeschlagen, wenn er sich nicht erfreuen könnte der Segnungen, welche die Idee des Judentums der Welt gebracht. „Gott ist mein Panier " So heißt's im täglichen Gebet des Juden; für ihn, für den waltenden heiligen Gott Zeugnis abzulegen, ist seine Mission. Der große Jesajas, der tvie kein Anderer den Gedanken einer Mission des Judentums erkannte, chat in unvergänglich herrlicher Rede diesem Gedanken Worte verliehen, er hat schon vor fünfundzwanzig Jahrhunderten das große, tiefe Wort gesprochen das tvie ein Lichtstrahl in finstrer Nacht unsere Geschichte und unserett Beruf erhellt: „Ihr seid meine Zeugen, ist der Spruch des Ewigen, und meine Getreuen, die ich erkoren, daß ihr mich erkennet und an mich glaubet und einsehej, daß ich bin.ihr seid meine Zeugen, daß ich Gott bin." Welch eine Mission! Und wenn die Völker alle, wie schon einmal zur Zeit des sinkenden römischen Kaisertums zu Gottesleugnern tvttrden, und wenn der Geist der Zeit sich Prometheusgleich ausbäumte in knirschender Wuth gegen ein Walten der Gottheit, und wenn sic überall rings die alten Fahnen verließen und sich der neuen Lehre in die Arme werfen würde — Du, Israel, bist das Volk Gottes, das heißt, dein Beruf ist es, für i?)it Zeugnis abzulegen ewiglich. Wie zur Zeit, da die Welt in unfaßbaren Wahnglaubens Nacht zu Holz und Stein betete, das Judentum allein einer ganzen wahnwitzigen Welt entgegenstand. ,vie zur Zeit, als eben in den Tagen des römischen Kaisertums, als die alte beruhigende Gläubigkeit an die schirmenden Götter gewichen, und