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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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(i der stolze Titusbogen zu Rom nicht wie ein Siegeszeichen dessen, der sich damol* Sieger dünkte, sondern als ein Trinmphzeichen des unbesiegten ewigen Indent ums. Wa rum ist das Judentum nicht, den Weg aller Völker gegangen? Wie laßt sich der wunderbare, einzig in der Weltgeschichte dastehende, Fortbestand des Judentums erklären? Man komme uns nicht mit dem Schlagwort: „Zähigkeit der Race." Worin besteht denn unser Zähigkeit? Wenn Stärke gilt, die R ö m c r waren! stärker als wir, wenn G e i st c s kraft gilt, die Griechen waren geisteskrüstiger!als wir, wenn Raecueigeutüm.lichkeit gilt, die Phönizier, die Assyrcr.idie Babylonier waren gleicher Race wie wir. Und alle diese Völker haben ihre Macht an dem winzigen jüdischen Stamm versucht, wollten ihn vom Erdboden! vertilgen:' die Flut der Geschichte hat sie wcggespült, aber der jüdische Stamm lebt noch heute. Tausendmal besiegt und scheinbar zermalmt, hat er sich immer aufs Neue erhoben. Muß nicht in diesem jüdischen Stamm etwas stecken, was stärker ist als alle Mächte, die ihn vergeblich zertrümmern wollten? Was gab ihm die Kraft, heute am Boden kriechend wie der Jsop, sich morgen wie die ragende Ceder zu erheben? Was gab ihm die innere Lcbens frischc, daß er nicht mumienhaft erstarrte, sondern ewige Jugendkrast aus dein Strom^der wechselnden Zeiten trank? Es gibt nur eine Antwort: Die Idee des Judentums, die Mission des jüdischen Stammes. Diese Idee, diese Mission läßt sich am kürzesten charakterisieren als Gegensatz zum Heidentum, zum Heidentum der alten Welt sine, der modernen Welt. Tenn beide sind nur verschiedene Er -scheinnngssdrinen für ein und dieselbe zu Grunde liegende Anschauung. Heidentum des alten wie der neuen Zeit ist Naturreligion (oder vielmehr Matur--Nicht Religion), Judentum ist Religion des Geistes: Dort Vergötterung des Sinnenfällige», hier Kultus des Reingeistige», dort Schicksal und Zufall, hier Vorsehung und göttliches Walten, dort Herrschaft der Materie und des Materialismus, hier Herrschaft der Idee . und des Idealismus. Seitdem das Judentum auf dem Weltenfchauplatz erschienen, haben jüdische und heidnische Weltanschauung einen erbitterten Kamps mit einander gekämpft. Das Hesdcntlun war dem Judentum an Zahl und Kraft millionenfach überlegen, aber gesiegt hat die Idee des Judentums. Sie allein und der Stamm, der Herold war und Träger dieser Idee, entrann dem Untergang des Altertums, entrann den Stürmen der Völkerwanderung, blieb unzerstörbar, unüberwindlich trotz ,aller wütenden Kämpfe, die bis zu», heutigen Tage bald mit geistigen Waffen bald mit roher Faust gegen sie geführt wurden. Die Idee des Judentumssihat sich bewährt als die größte geistige Macht der Weltgeschichte.

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