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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Und unsere Mission! Ja, gehört hat man schon einmal davon,!iber ruft-nicht dieses Wort bei den Meisten ein ungläubiges Lächeln hervor? Die! Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube. Man schüttelt ungläubig den Kopf über solche Phantasmen. Aber nur deßhalb, weil den Meisten der tragische Geschichtsgang ihres Volkes entrückt ist, weil ihr geistiger Gesichtskreis nicht über die Alltäglichkeit hinausgeht, weil sie das geschichtliche Gedächtnis verloren haben. Der ewige Jude! Es ist ein Schmähwort, das unsere Feinde uns böswillig angeheftet, aber ivir ivollen es allfnehmen, denn es steckt eine Wahrheit darin. Der ewige Jude ist das ewige Judentum! Nicht jene von lieblosem Aberglauben erfundene Lagengestalt mit ihrer inüden Sehnsucht nach Grabesruh, anders lautet die wahre Geschichte vom ewigen Juden. Er ist ein Mann, etwa dreitausend Jahre alt, genau weiß er es selber nicht. Er lebte schon, als unser Erdteil noch kaum für «tenschliche Kreatur bewohnbar gewesen. Mit Abraham zog er aus Urkasdim und stand dabei und lächelte — lächelte wie wir heute — als an Abraham das Gottcswort erging, daß er berufen sei zu der Mission, „seinen Kindern nitb seinem ganzen Hause zu befehlen, daß sie in den Wegen Gottes wandeln und Gerechtigkeit und Liebe üben sollten." Er stand mitten unter dem Volke am Sinai und hörte das Gotteswort: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein und ein heiliges Volk." Da lächelte er wiederum und dachte: Schon wieder die alte Fabel von der Mission des Judentums! Was man nur iinmer von uns will, als wenn wir was Besonderes sein müßten. Er war auch unter der Volksmenge, die den Reden des Propheten Jesajas in der Verbannung zu Babel lauschte, und als der Prophet zu Israel sprach: „Sieh'da, auf meinm Auserwählten,'an dem ich Wohlgefallen habe, auf ihn habe ich meinen Geist gelegt, auf daß er Gerechtigkeit den Völkern offenbare", da lächelte er wiederum ungläubig. Aber der Prophet sah wohl sein Lächeln, da erhob er mächtig seine Stimme und ries: „Ihr Dauben höret lind ihr Blinden öffnet die Augen zu sehen. Wer ist blind, ivenn nicht rnein Knecht und taub, wenn nicht der Sendbote, den ich sende? Gesehen hast du Vieles, aber du behältst es nicht, hast die Dhren offen, aber hörest nicht; und doch hat der Herr dich gesendet um seines Heiles willen, daß du hoch die Lehre hältst und sie verherrlichst!" Dann sah der ewige Jude den Flammenschein des untergehenden Tempels, und als er iveggeschleppt wtirde von den railchenden Trümnicrn, und als er gefesselt im Siegcszug des römischen Imperators einherzog, und als er auf der Höhe der via sacra den stolzen Triumphbogen sich erheben sah. das Denkmal des besiegten Judäas — da lächelte er zwar nimmer, aber in ungestümen Gram rief er verzweifelt: Wo ist nun Israels Mission? In Trümmer vergraben, und der Titusbogen ist sein Leichenstein! Aber der einst ungläubig Lächelnde und dann ungläubig Verzweifelnde lebte »och, als die stolze Siegerin Rom entkräftet zu Boden sank, und heute steht

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