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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 oder will inan es nicht wissen? Hat auch uns bethört die Schmähung, mit der eS^geschmäht, die Gehässigkeit, mit der es bedacht wird V Ja, dä kommen sie, um den „alten Bund" zu verunglimpfen, um dem Judentum höhnend in's Angesicht zu schlagen, um dem alten Glauben alle Unvollkommenheiten aufznbürden, damit er dem neuen Glauben als Folie diene. Aber lasset uns rechten, und nicht die Macht, sondern das Recht, nicht die Lüge, sondern die Wahrheit als Richterin entscheiden. Das Judentum hat fast noch niemals eine gerechte unparteiische liebevolle Würdigung von nichtjüdischer Seite gefunden, es wird immer iillr nach den ererbten einseitigen, befangenen, vorurteilsvollen Begriffen beurteilt und verurteilt. Das Judentum muß der Tochterreligion zum Piedcstal des eigenen Ruhmes dienen. Alles Große und Erhabene wird aus der alten Lehre N'eggcdeutelt, um es als Errungenschaft der »eilen Lehre hinstellen zn können; dem klaren Schriftwort wird so lange Gewalt angethan, bis das arme gefolterte Wort aussagt — was es eben aussagen soll. Und das Alles, weil dem Judentum, jede Daseinsberechtigung abgesprochcn werden soll. Selbst jene von den Andersgläubigen, die in ihren Ideen beinahe ganz auf den Boden des Judentums znrückgekehrt sind, gewinnen es nicht über sich, ihre Engherzigkeit zu überwinden und dem Judentum gegenüber gerecht zn sein und der Wahrheit fcie Ehre zu geben. Wir, und nicht nur wir, die Söhne der Gegenwart, sondern schon das Judentum des frühen Mittelalters haben unsererseits die hohe Mission des Christentums anerkannt, Sendbote jüdischen Gottesglaubens an die Menschheit zu sein. Unsere Mission aber wird nicht anerkannt, gegen uns wird in Wort und Schrift, auf Kanzel und Katheder, in Schule und Leben geeifert und gegeifert, wir iverden zum ewigen Juden gestempelt, unser Glaube wird gebrandmarkt. lsns, die mir einzig unter den Völkern einen Bersöhnungstag haben, der Rache angedichtet, uns, die wir zuerst Gott unfern Vater ein knechtischer Dienst zngeschrieben; Israels Propheten waren es, allen Erdenvölkern von einer Durchbrechung der Nationalii, und doch sollen wir nur einen Nationalgott kennen; gegen doch redet man Liebe deinen 9 wird ein Gott nannten, wird die zuerst unter schränken redeti Opfer und Lippendienst ohne innere Sittlichkeit eifern dieselben Propheten, und von jüdischer Werkheiligkeit; in unserer Thora steht geschrieben: ächsten wie dich selbst, und doch wird uns die Lehre von der Nächstenliebe avgesprochen! Aber weil dem so ist, weil uns von allen Seiten Verkennung und Mißachtung unseres Judentumes umgiebt, müssen wir selbst uns kennen lernen, unser Judentum und seine Mission. Unser Judentum! Nein, wir kennen es meistens nicht. Wie viele vermeinen, daß das Judentuni nichts weiter sei als eine endlose Reihenfolge äußerer Gebräuche und religiöser Pslichtgebote, von denen Eines das Andere ablöst!

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