Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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285 abgefaßt, ist gut gehalten und soll aus. dem dritten und vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammen. — Die „Jewish World“ weiß von systematischen Angriffen auf Juden in Irland zu berichten. Erst in jüngster Zeit wurde zwei polnischen Juden und ihren Weibern in der Nachbarschaft von Limerick ausgelauert und wurden dieselben furchtbar niißhandelt. Die Irländer, sagt das erwähnte Blatt, stehen in dem Rufe, das einzige Volk zu sein, welches im Mittelalter die Juden nicht verfolgte, und böswillige Kritiker behaupten, dies sei weniger auf einen besonders entwickelten Sinn für Gewissensfreiheit von Seiten der Iren, als auf das geringe Vorkommen der Juden in Irland zuriickzuführe». Unterdrückte Nationalitäten sollten vor Allem anderen Mitduldern sympathische Gefühle entgegenbringen, und die russischen Flüchtlinge in Irland kommen aus einem Lande, wo die Verfolgungen weit grausamer sind, als sie jemals unter dem strengsten Regiment« in Irland waren. In einem rein agriculturellen und nicht übermäßig reichen Lande, wie Irland, sollten die Juden bewillkommnet und ermutigt werden, sich niederzulassen. Ihr Geld, ihre Industrie, ihr Geschäftsgeist und ihre häuslichen Tugenden wären keine zu unterschätzende Requisition, um jene Äera des Friedens und Wohlstandes zu zeitige», die die guten Freunde des Landes begehren. Verfolgung und Unduldsamkeit können bloß der nationalen Sache schaden, indem sie die Sympathien gefährden, welche sich bisher häufen auf das Volk der „unglücklichen Insel". ■— Dem Andenken des verstorbenen Dichters Lord Tmuyson ■ widmeten die englischen Rabbiner ehrende Nachrufe in den Synagogen — Der Londoner Baron Alfred Rothschild wird bei der Internationalen Münzkoiiferenz als Dclegirter von Großbritannien erscheinen. Noch ein zweiter Jude, Herr Luzatti, der gewesene Minister Italiens, wird als Vertreter dieses Staates bei der Konferenz gegenwärtig sein. — Herr Colonel Goldschmidt aus Argentinien richtete an Herrn d'Avigdor in London ein Schreiben über die Zustände der Kolonien daselbst, in welchem es heißt: Der Bau von Gotteshäusern und Schulen wird recht bald in Angriff genommen werden. Ich hielt es für meine Pflicht, zuvörderst für die Fertigstellung von Häusern für die Frauen und Kinder der Kolonisten, die sich früher in Zelten und Hütten aufhielten, Sorge zu tragen. Leider sind'hier Leute, die selbst die spätesten rabbinischen Gesetze mit peinlichster Sorgfalt ausüben, die göttlichen Gesetze der zehn Gebote aber geradezu mit Füßen treten. Was die mich betreffenden Anschwürzuiigen und Verleumdungen anbelangt, so rvundere ich mich gar nicht darüber: Jeder Aufseher, den ich, gewiß, weil er es verdient, seines Amtes entsetze, und jeder Kolonist, den ich wegen seiner Faulheit und wegen lüderlichen Lebenswandels aus den Kolonien verweise, sind selbstverständlich nachher nieine Feinde. Theater, Wustk und bildende Kunst?) Der am 28. Oktober in Frankfurt a. Kl. verstorbene Kapellmeister Herr Gtto Dessof war jüdischer Abstammung und wurde bereits, als er zur Welt kam, in Leipzig protestantisch getauft. Seine Mutter blieb Jüdin bis zum Ende *) Vielfach an uns gerichteten Wünschen, in unseren Blättern auch in einem gewissen Zusammenhänge allmonatlich besonders über Theater, Musik und-bildende Kunst zu berichten soweit sie das Judentum in Bezug aus Stofs, Schriftsteller und Tarsteller berühren, kommen wir hiermit nach und bitten unsere geschätzten Mitarbeiter im Im und Auslande, uns recht fleißig Notizen zugehen zu lassen. Tie Redaktion.