Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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283 des ungarischen Staates und vertheidigten dieselbe nicht nur nach unten, sondern auch nach oben; die Vorgänger des Bischosfs Tessewffy, Benovics und Horvath, dienten dem Vaterlande ohne Leidenschaft, aber mit ausdauernder Begeisterung und ließen sich stets nur Mit dem Lichte der urteilenden Geistes, nie aber von den trügerischen Gefühlen der Leidenschaft leiten. Wir sind überzeugt, daß Bischof Desservffy in den Tagen, wo angesichts der stets heftiger werdenden soeialistischen Strömungen die Pflege der Religion und Veredlung, der Sitten in erhöhter Weise notwendig wird, ans dem Pfade seiner Vorgänger wandeln wird." Die Rede des Rabbiners war von überraschender Wirkung. Der Bischof erhob sich von seinem Litze und eilte zu dem Rabbiner, den er küßte und dem er erklärte, daß jedes Wort ihm bis ins Herz drang. Die Gesellschaft aber feierte den Rabbiner in der anszeichnendsten Weise für seine männliche, der Aktualität nicht entbehrende Rede. — In Lemberg erscheint von Herrn A. KorKis unter dem Titel „Przyszlosc" eine jüdische Zeitschrift in polnischer Sprache. — Herr I. S. Fuchs, der den „Hamagid" iitßcrUn heraltsgegeben, läßt diese hebräische Wochenschrift von Neuem unter dem Titel „Hamagid Hachadasch" in Krakau erscheinen — Man schreibt uns: Herr Rabbiner Dr. ü Corot) ans Ken Didschorv hielt in seiner Heimatsgemeinde Ilrrg-Lrod auf Entladung des dortigen Rabbinates und Vorstandes int wissenschaftlichen Verein „Choreb" einen Vortrag über Rabban Jochanan beu Sakai, und in der Synagoge eine Gastpredigt und verstand es das Publikum zu begeistern. — Am 29. Oktober starb in Wien, nachdem erst vor Kurzem sein vierzigjähriges Dienstjubiläum begangen wurde Herrn Prof. Dr. Kerson Wolf, Jnspector der jüdischen Religionsschulen, geboren zu,Holleschau in Mähren. Wir behalten uns vor, das Leben dieses edlen, durch seine bedeutenden Leistungen auf dem Gebiete der Geschichte ausgezeichneten Gelehrten artsführlich zu schildern. Sein Andenken bleibt zum Segen. — Man schreibt uns aus Temesvar: Ter serbische Bischof Nikanor Popovics stattete am 10. October in Begleitung des Erzpriesters Kuzma Stanits dem Rabbiner Herrn Dr. Lerthold Kohlbach einen nahezu halbstündigen Besuch ab. Wir registrieren diesen Besllch als Zeichen des herzlichen Einvernehmens das in unserer Stadt zwischen sämtlichen Religionsgenossenschaften besteht. —Herv Daron Kirsch hat der Stadt Budapest eine Spende von mehreren Tausend Gulden für die Errichtung von Volksküchen zur Verfügung gestellt. — Am 13. Oktober fand in Fünfhaus-Wien eine vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltete Protestversammlung statt, um gegen die antisemitischen Ausschreitungen, wie sie im Niederösterreichischen Landtage zu Tage traten Verwahrung einzulegen. Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Reden hielten die Herrn Baron Suttner, Prof. Dr. Nothnagel, Dr. Scholz, Gemeinderat Frauenberger, Reichsrat-Abgeordneter, Dr. Kronaroetter und Abgeordneter Nooke. — In Mailand wurde eine Synagoge, die mit einer Orgel versehen ist, eingeweiht. Der neue Oberrabbiner Herr Alesaudro da Fano vollzog die Einweihung und hielt die Festrede. Zum Baue, der eine halbe Million Lire kostete, steuerte Herr Salomon Httolenghi aus Venedig über die Hälfte bei. Die katholische Geistlichkeit lehnte jede Beteiligung ab und der vOssi*rvnture Ciittoiüur* brachte um diese Zeit Hetzartikel gegen die Juden. — Am 28. September wurde in Gablonz a. d. N. die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Herr Rabbiner Dr. Kisch aus Prag, der gerade vor 20 Jahren noch als Breslauer Seminarist die ersten jüdischen Predigten in Gablonz gehalten hatte, entzündete das ewige Licht und sprach dabei: Än jüdisches Gotteshaus wird geweiht, indem eine ewige Lampe