Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-12-01 · Heft 12 (1.12.1892) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 12 (1.12.1892)
Date
1892-12-01
Page
Seite 279 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969947-2969960--3718-2977117
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ziemlich rüstig. — Am 19. September begieng Herr Hofbankier Baron W. v. Eohn in Dessau das Fest seines 80 Geburtstages uub des 75jährigen Bestehens seiner Firma, aus welchem Anlasse ihm von Sr. Hoheit dem Herzog das Großkreuz des Herzogl. Hausordens in Brillanten verliehen wurde, das Staatsminister Dr. v. Koseritz persönlich überbrachte. Auch Deputationen der Stadtvertretung unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Funk und der jüdischen Gemeinde, brachten dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. — Eine Anzahl von Männern und Frauen versandte jüngst Einladungen zu einer vom 18. bis 21. Oetober anberaumten Versammlung in der „Ressource" in Sellin (Commandantenstraße 57), in welcher eine „Gesellschaft für ethische Cultur" gegründet wurde. Dem beigefügten Satzungsentwurf entnehmen wir ££ 1 und 2: § 1. Es ist der Zweck der Gesellschaft, im Kreise ihrer Mitglieder und außerhalb desselben als das Gemeinsame und Verbindende, unabhängig von allen Verschiedenheiten der Lebensverhältnisse, sowie der religiösen und politischen Anschauungen, die Entwicklung ethischer Cultur zu pflegen. Unter ethischer Cultur alö Ziel ihrer Bestrebungen versteht die Gesellschaft einen Zustand, iu welchem Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, Menschlichkeit und gegenseitige Achtung walten — S -■ Zur Erreichung des Zweckes der Gesellschaft sollen zunächst folgende Bethätigungen dienen: 1. Veranstaltungen zu Hebung der ethischen Jugenderziehung in allen ihren Stufen und zur Pflege des wahrhaft Menschlichen und Gemeinsamen im ethischen Unterricht, unabhängig von den trennenden Lehren der religiösen Confessionen und der Parteien; 2. Veranstaltungen von Vorträgen und Erörterungen über ethische Forderungen und Probleme im Kreise der Mitglieder lind Pflege der weihevollen Wirkungen der Wissenschaft und Knust auf die weitesten Kreise des Volkes; 3. Verbreitung von ethisch förderlichen Erörterungen durch Bücher, Zeitschriften, Flugblätter, Zeitungsartikel u. s. w.; Beteiligung an der Hebung der Lebenslage der ärmeren Volksschichten, sowie an dem Schutze und der Hilfe für alle Leidenden und Bedrängten gegen jede Art von Unglück und Unrecht. Unter den Einladenden befanden sich auch die Herren Geheimer Sanitätsrat, Dr. Kristeller-Berlin und Professor Tr. Hermann Cohn-Marburg, sowie die bekannte Friedensbotin Baronin Sertha von Suttner. — Man schreibt uns aus Kildesheim: Freitag Nachmittag am 4. November fanb die feierliche Einführung des Herrn Dr. Lewinsky als Land- und Ortsrabbiner der hiesigen Gemeinde durch den Herrn Oberbürgermeister Struckmann, in Vertretung des Herrn Regierungs-Präsidenten in der festlich geschmückten Synagoge statt. Herr Oberbürgermeister Struckmann richtete herzliche Worte an den Herrn Dr. Lewinsky, gedachte dabei seines Vorgängers, des hochgeschätzten und gelehrten Herrn Dr. Guttmann, der die allseitige Achtung seiner Mitbürger und das Vertrauen der königlichen und städtischen Behörden, wie auch seiner Gemeinde in vollem Maaße besessen habe. Kraft der ihm übertragenen Vollmacht installirte der Herr Oberbürgermeister den Herrn Dr. Lewinsky im Namen der königlichen Regierung in sein Amt als den berufenen Vertreter der jüdischen Gemeinde und des Landesrabbinats Hildesheim. Herr Dr. Lewinsky sprach tief bewegt seinen Tank aus für das Wohlwollen der Behörden und gelobte eingedenk seines geleisteten Eides, das eulgegengebrachte Vertrauen verdienen zu wollen. „Ehre das Gesetz des Landes, in dem du eine Heimstätte gefunden" so sagte der Redner etwa, hatte schon vor tausenden von Jahren ein Weiser in Israel zu bem Volke gesprochen, und heute noch seien diese Worte für die Bekennner des Judentums in voller Gültigkeit; im Namen derselben gelobe er hier, in dem der Gottesverehrung geweihten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.