Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- Seite 278 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Monats sch au Am 18. jCciofccr starb in Stuttgart Herrn Kirchenrat Dr. v. Wassermann, geboren am lir. Juli 1811 in Laupheim, woselbst sein Vater Salomon Wassermann Rabbiner war, der zu Ludwig Fenerbach in freundschaftlicher Beziehung stand- Feuerboch Zerteilte dem jungen Wassermann Unterricht in klassischen Sprachen, welcher im Jabße 1829 die Universität in Würzburg bezog und im Jahre 1832 in Tübingen die Dvetorwürde erhielt, 1834 wurde er Rabbinatsverwese'r in Mergentheim und kam-1835) als Rabbiner nach Nliihringen. Am 12. Oktober 1873 wurde er als Rachfolger des Kirchenrates Dr. v. Waier als Rabbiner nach Stuttgart berufen. Ein mildes versöhnliches Wesen und ein reiches gründliches Wissen waren ihm zu eigen. Er genoß die Liebe imb Verehrung der Angehörigen aller religiösen Anschauungen. Im Jahre 1871 beteiligte er sich an den Verhandlungen der Synode in Augsburg, in welcher er für eine Revision des ..Schulchan-Arnch" eintrat, der in jüdischen Reformkreisen nur religionsgeschichl- ^icheaber keine religionsgesetzliche Bedeutung hat. Am 11. Oktober noch wurde er als sachverständiger Zeuge in Ulm vernommen und gab ein Urteil über den Talmud ab, in der ' Strafsache gegen den 'Redaeteur Hans Emil Kteemcnm, der sich in. der antisemitischen Zeitung „Ulmer Schnellpost" beschimpfend über die Religion des Judentums geäußert. Bei dem Leichenbegängnisse am 21. Oktober, an dem sich auch der Eultnsminister. der Stadtdireetor, die Spitzen des Militärs, der evangelischen und katholischen Geistlichkeit beteiligten, gaben die Herrn Rabbiner Dr. Stoessel, Enltnsministeraldirector v. Finkh, Rabbiner Herz, sowie die Herrn Goldschmidt, imb Stern der Trauer um den Heimgegangenen tiefempfundenen Ausdruck.. — In Berlin starb der Geheime Sanitätsrat Herr Dr. Wartin 'Steinthal, geboren 22. Oktober 1798 in Stendal. Er promovierte am 3. Rovember 1*21. Seine schriftstellerischen Arbeiten lenkten die Aufmerksamkeit der hervorragendsten' Fachgenossen auf ihn. Sein Werk „MedizinischeAnalekten" ist von bleibendem Werte. Er gehörte auch den Borstandscollegien der jüdischen Gemeinde und der Resormgemeinde in Berlin an. Die Gedenkrede hielt Herr Prediger Dr. W. Levin in ergreifender Weise. — Am 19. Oktober starb in Frankfurt a. W. Herr M. Meintraub, der nahezu 40 Jahre Eantor der israelitischen Gemeinde in der Hauptsynagoge gewesen. Er wirkte früher in gleicher Eigenschaft in Jamnitz und war für seinen Beruf mit reichen Kenntnissen und vieler Liebe ausgerüstet Zudem besaß er einen friedfertigen sanften, bescheidenen Sinn. Er ist auch weiteren Kreisen durch seine Compositionen auf dem Gebiete des Synagogengesanges bekannt geuwrden. — In Nürnberg starb Herr Oberachtsrichter Tr. Berlin. Herr Rabbiner Dr. Ziemlich und Herr Oberlatidesgerichtspat Keigel schilderten bic| hervorragenden Charaktereigenschaften des Plötzlich ans der Höhe des Lebens dahingerassten Mannes. — Dem ordentlichen Professor an der medizinischen Fakultät der Universität zu Königsberg i. K. Herrn Dr. Mar Jaffch ist der Charakter als Geheimer Medizinalrat verliehen worden. — Dem Herrn Sanitätsrat Tr. Ilnunnnn in Kerlin ist der rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — In das hundertste Lebensjahr trat am 29. September die Kansmannswitwe Henriette Sternscld, geb. Eohn in Königsberg. Tie alte Dame ist 1793 .in Putzig geboren und ist die älteste Person der Stadt. — In Huakenelstm i Ostpreußen » starb jüngst der Handelsmann Kohn im Alter von 110 Jahren. Seine Frau, mit der er 80 Jahre glücklich, wenn auch in ärmlichen Verhältnissen lebte, hat das hundertste Jahr schon überschritten und ist noch