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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-12-01 · Heft 12 (1.12.1892) · p. Seite 277

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 12 (1.12.1892)
Date
1892-12-01
Page
Seite 277 (sequence 15)
Language
German
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277 Europa werden; der Verein für geregelten Gottesdienst in Prag, der die zwei bedeutenden Männer. Dr. Leopold Znnz und Dr. Michael Sachs zu Predigern hatte, wählte, nachdem Dr. Sachs als Rabbiner und Prediger nach Berlin berufen wurde, den 29jährigen Mann zum Prediger und die Zeit lehrte es, daß diese Wahl die bestmögliche war. Tenn und) dem talmudischeu Worte ehrt nicht der Ort (das Amt) den Mann, sondern der Manu kann und soll, ja muß das Amt, das er inne hat, zu Ehren bringen. Und dies war bei Dr. S. I. Kämpf im schönsten Sinne des Wortes der Fall. Nicht nur zeichnete sich Kämpf durch glanzvolle Sprache, durch hinreißende Beredsamkeit, durch ein klangreiches Organ ans, er verband mit umfassender Kenntnis der Haggada — der eigentlichen Ethik des talmudischen Schrifttums — eindringende halachische Kenntnis. Schlagfertigkelt und Witz, wie sie den polnischen Inden mit Recht nachgerühmt werden7). Als Kämpf im Jahre 1845 sein verantwortungsreiches Amt in Prag.antrat, wußte er all diesen Ansordernngen zu entsprechen. Nun er hat diesen Ansordernngen inmitten der mannigfachen vor- und nachmärzlichen Wandlungen entsprochen, 45 Jahre hindurch verstand er es, den zahlreichen Znhörerkreis, der sich ans der Elite der Prager Judenschaft zusammensetzte, dauernd zu fesseln. Aber Kämpf that mehr als dies. Im Jahre 1838 schrieb der verewigte Salonion Munk in seiner Notice über den Gaon Saadja: Könnte ich doch durch diese Notice die Aufmerksamkeit unserer jüngeren Rabbinen auf die in arabischer Sprache geschriebenen Werke unserer Lehrer richten, welche den glänzendsten Teil der rabbinischen Litteratur bilden und dieser Wunsch fiel bei Kämpf auf fruchtbaren ergiebigen Boden. Im Jahre 1850 habilitierte sich Känipf an der Prager (deutschen) Universität als Tocenl für-orientalische Sprachen und seine Antrittsrede, die auch im Drucke erschien, handelte über die Bedeutung der semitischen Sprachen. Als Frucht seiner akademischen Thätigkeit seien hier besonders hervorgchoben. 1) die Inschrift auf dem Denkmal Mesa's, Königs von Moab (9 vorchristl. Jhdt). Vocalisirter Urtext mit Uebersetzung nebst sprachlichen und sachlichen Erläuterungen und einen Anhang, betreffend die Grabschrift des sidonischen Königs Eschmunazar mit einer lithographischen Tafel. (Prag 1870). 2) Phönizische Eplgraphik der Grabschrift Eichmunazar's, Königs von Sidonien. Urtext mit Uebersetzung der Epitaphien und phönizischen Originalschrift (Prag 1874) und 3) das Hohe Lied aus dem hebr. Originaltexte in's Deutsche übersetzt, sprachlich und sachlich erläutert, und mit umfassender Eittleitung versehen (Prag 1877). Schon int Jahre 1850 wurde er zum Professor dieser Fächer an der Prager Hochschule ernannt und bekleidete dieses Amt 35 Jahre bis zum Jahre 1885, worauf er, nachdem er das 70., Lebensjahr.erreicht hatte, von den Pflichten als Prediger und Lehrer zu sehr in Anspruch genommen, seine akademische Lehrthätigkeit aufgab. Bei diesem Anlässe wurde ihm von Sr. Majestät 'dem Kaiser von Oesterreich taxfrei Rang und Titel eines K. K Negierungsrates verliehen. (Schluß, folgt). ') Daß die polnischen Juden zum größten Teile deutscher Abstammung sind, habe ich in'meiner Schrift: Ueber den jüdisch-deutschen Jargon nachzuweäcn versucht; und daß die polnischen Rabbiner ii i cd t die Erfinder des Pilpul waren, hat der bekannte I. H. Weiß auch im 5. Bande seines klassischen Werkes „Zur Geschichte der Tradition" bewiesen; vergleiche auch meine Monographie über den Prager Oberrabbiner Rabbi Salomo Ephraim ans Lentschitza (Frankfurt a. M. 189^, Äauffmann).

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