Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1892)
- Date
- 1892-11-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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260 — Herr Ldniond von Rothschild in Paris übergab dem Lieutenant Mizon zur Ausführung einer Entdeckungsreise nach Centralafrika die Summe von 20,000 Francs. — Der orientalische Kongreß in London wurde von Professor Utax Müller mit einer Rede eröffnet, die folgenden Gedanken enthielt: Das Harptverdienst des Studiums der orientalischen Sprachen sei, daß sie dargethan, baß die Scheidewand zwischen dem Osten und Westen nicht immer bestanden; baß Arier und Semiten einmal eine einzige große Familie gebildet, daß Phönizier, Hebräer, Araber, Perser, Assyrer, Indier, Griechen, Römer, Celten, Germai e», Slaven, Brüder eines Stammes sind; daß unter den verschiedenen Völkern wieder eine Brüderschaft bestehen sollte, wie sie zwischen ihren frühere» Ahnen bestanden hat. In! gleich geistreicher, wie gelehrter Weise, wies nun Professor Müller die Geineinsanikeit in den Grundanschauungen der arische» und semitischen Vöiker nach und ging dann auf die entstandene Trennung und auf die Scheidewand ein, die sich zwischen dcni Orient und Oecident aufgethürmt. Trotzdem sei aber der Ideenaustausch zwischen dem Osten und Westen nicht ganz unterbrochen Worten, und den Orientalisten sei es Vorbehalten geblieben, dies in überraschender Weise darzuthun, „die Sonne im grauen Zwielicht der alten Geschichte der Menschheit aufgehen zu lassen," die uns nun wie eine große dramatische Triologie erscheine. Das erste Drama behandle das Schicksal der arischen und semitischen Stämme vor ihrer Trennung; das zweite Drama entrolle den großen Zwist nach ihrer Trennung, die Kriege der gewaltigen Reiche des Orients in Aegypten, Babylonien, Syrien, und dabei den Zag der Kultur vom Osten nach dem Westen. Das dritte Drama führt uns 'den Triumphzug Alexanders des Großen durch großen Reiche Asien und die seinen Lieblingsgedanken vor, den Osten mit dem Westen wieder zu vereinigen und Europäer und Asiaten brüderlich zu verbinden. Dieser, des Schülers Aristoteles' würdige Plan mißlang, die Kriege und Siege Alexanders haben aber weit entfernte Völker näher aneinandergezogen und es ihnen ermöglicht, die Schätze ihres Wissens in einer gemeinsamen Schatzkammer anfzuspeichern Der Gedankenaustausch der Völker aber an dem die Juden, die bald freiwillig, bald gezwungen in allen Reichen des Altertums weilten, eine» hervorragenden Anteil geuvmmeü, sei die goldene Brücke zur Völkerverbrüderung, und an diesem Werke mitzuarpeiteu und seine Hauptpfeiler zu bauen, sei die schöne Aufgabe der Orientalisteis. — Herr Rabbiner Dr. Gaster hat ein sehr nützliches Verzeichnis der Broschüren und Flugschriften der Zunz-Bibliothek zusaiiiniengestellt upd in dem Jahresberichte des „Montefiore College" veröffentlicht. Diese Pamphlete füllen 38 Bände und geben Zeugnis davon, wie Zunz auch das Geringste der Beachtung wert hielt. Er schien Alles aufzubewahren und die Collection zeigt uns, wie svichtig es ist, auch das Kleinste der Beachtung wert zu halten. — Herr A. Uormnger, Professor der Musik in London hat eine Kapelle für Streichmusik, bestehend aus 11 jüdischen Musikern, welche aus Rußland vertrieben wurden und sin dortigen Zufluchtshause für arme Juden (lV>or Jevs Teinponix 8heltei'j Aufnahme fanden, errichtet. Nach einer Probeansführung im königlichen Aquarium wurde die Kapelle engagirt, täglich dort zu spiestn. — Zum ersten Male seit der Vertreibung der Juden aus Uorlr, 1290, fand in diesem Jahre an den hohen Festen ei» jüdischer Gottesdienst daselbst statt. — Der verstorbene Kardinal goniard soll als Jude, und zwar in Prag geboren fein. Pyr einigen Jahren lief eine Erzählung durch die Presse, welche den englischen Kirchensürsten zum Helden eines Romans machte, der in Prag, Wien und Ischl spielte und keine Widerlegung erfahren hat. — In Drihgton starb Frau